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Sonntag, 9. November 2014

Gesichtet: Interstellar


Interstellar 
 
USA 2014
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Michael Caine, Jessica Chastain

Laufzeit: 169 Minuten 

IMDB-Link

Boxoffice Infos
 

Deutsche Filmseite 









Auf Regisseur Christopher Nolan lastet ein immenser Erfolgsdruck: Mit “Inception” hat der gebürtige Brite das Unterbewusstsein in einen Actionthriller verwandelt, in “Memento” die Regeln der Erzählstruktur auf den Kopf gestellt und mit seiner “Dark Knight”-Trilogie 2.5 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Nolan ist einer von sehr wenigen Regisseuren, die in Hollywood eine Wildcart besitzen, nicht viele können in ein Meeting mit erfolgsorientierten Studiobossen gehen und mit 200 Millionen Dollar wieder raus kommen. Doch für die mächtigen Studios, muss sich die Investition auch rechnen. Trotzdem: Wenn es ihm in den Sinn kommen würde, könnte er das Telefonbuch verfilmen. In 3 Teilen. A - H, I - K und L - Z. Budget? 1 Milliarde! Wieso eigentlich nicht. Was macht er aber nach seinem „Batman“-Superhelden-Hit? Etwas was sich kaum noch jemand in Hollywood traut. Während gängige Blockbuster jenseits der 100 Millionengrenze auf mindestens zwei gleich große Fortsetzungen, eine Videospieladaption und unzählige Spielzeug-Verträge ausgelegt werden, auf Bestseller basieren sollten oder nur weitere Fußabdrücke der Prequel, Sequel & Remake-Manie sind, hat sich Chris Nolan für eine originelle Science Fiction Story entschieden. Und nicht nur das. Mit Physikprofessor Kip Thorne als Koproduzent, der als Berater mit am Drehbuch schrieb und seine Theorien mit einfließen ließ, geht die Tendenz eher in Richtung Science als Fiction. 

Lassen wir Kip seine Raumtheorie mal selbst erklären... 

Doch taugt das 3 stündige „Interstellar“ Astrophysikseminar überhaupt was? Oh ja! Während einen Wurmlochtheorien, Singularitäts-Hypothesen & schwarze Löcher um die Ohren fliegen, ist der Exkurs ins Weltall durch die Beziehungen der Hauptdarsteller sehr emotional auf unseren Heimatplaneten geerdet und nicht nur obligatorisches Deepspace-Eye-Candy.



Das epische Abenteuer startet in einer Zukunft, die wie unsere Vergangenheit daher kommt. Maisfarmer Cooper (wer braucht schon einen Vornamen) lebt mit seiner Familie im verstaubten Amerika. Die Nahrung des einst so ergiebigen Planeten geht Zuneige und so langsam muss sich die Menschheit wohl auf ihre Ausrottung gefasst machen. Die Holzhütten-Farm, die Mode der Protagonisten (Holzfällerhemden und Jeans), verstaubte Bücher im Wohnzimmer. Man fühlt sich als würde man in den dreißiger Jahren aufgewacht sein, im ersten Drittel fällt kaum auf, dass der Streifen einige Jahre in der dystopischen Ferne spielt. Doch, das ist natürlich pure Absicht. Holen wir zum besseren Verständnis ein bisschen weiter aus. 

Amerika in den 30iger Jahren. Quatsch! In der nicht allzu fernen Zukunft...

Irgendwann im Frühjahr 2013, nach einer stundenlangen Autofahrt durch die unendlichen Weiten der isländischen Gletscher- und Berglandschaft, stand Regisseur Christopher Nolan mit seinem Team an einem See. In der ferne schimmerte ein Fels empor und das Filmteam versammelte sich am Wasserrand. Plötzlich zog sich der Brite die Schuhe aus und watschte durch das matschige Nass gen Felsvorsprung. Seine Crewmitglieder, darunter Cinematographer van Hoytema („Let The Right One In“, Nachfolger von Kollege Wally Pfister, der sich mit der Sci-Fi-Gurke „Transcendense“ in den Regiestuhl verabschiedet hat und damit nicht mehr Nolans Nummer eins in Sachen Bildgestaltung ist) guckten sich verdutzt an. Was hat der vor? Wo will er hin? Egal, auch sie zogen alle ihre Schuhe aus und folgten ihm. Genauso wie wir uns jetzt Nolans Abenteuer im Weltraum anschliessen werden. Was hat er vor? Wenn bei einem Baseballspiel plötzlich eine gigantische Sandwolke gen Sportplatz weht. Die aus dem Untergrund agierende Nasa einen Plan ausheckt um die Menschheit zu retten und Matthew McCounaghey ein Raumschiff Richtung Schwarzes Loch steuert. Eins ist klar, unsere Aufmerksamkeit hat er und viele Nolan-Jünger werden ihm folgen. Der isländische Fels war dem Regisseur übrigens zu klein und so zog er mit seiner Crew weiter. Doch, wie kam es zu diesem Ausflug?



Nolans Reise in die Galaxis startete mit seinem Bruder Jonathan. Der werkelte schon seit ein paar Jahren für Paramount Pictures an einem Drehbuch, dass Kip Thornes Theorien über den gekrümmten Raum und die verbogene Zeit in einem epischen Projekt auf die große Leinwand hieven sollte. Im Regiestuhl? Steven Spielberg! “Ich wollte den Film starten lassen wie einen Spielberg Film der frühen Achtziger. Aber nicht wie damals, sondern wie er heute aussehen würde” verriet Nolan im Empire Magazine und würdigt damit den eigentlichen Regisseur. Der hatte sich anderen Aufgaben gewidmet und gönnte sich unter anderem einen Ausflug nach Berlin. Dort spaziert Spielberg gerade mit Tom Hanks durch Mitte, da bald die Berliner Dreharbeiten für einen Agententhriller anlaufen, der sich um den Gefangenenaustausch an der Glienicker Brücke dreht. Es musste also jemand anderes für die unendlichen Weiten des Weltraums gefunden werden. Jonathan erzählte seinem Bruder von dem Drehbuch und der hatte gleich ein paar neue Ideen für das Skript. Den ersten Teil ließ er in dem Spirit, doch sobald es in den Weltraum geht, sind wir in Nolans Kopf angekommen. Worum geht’s? Keine geringere Aufgabe als die Rettung der Menschheit wird einer Handvoll Leuten übertragen.





Doch bevor die Rakete mit Anne Hatheway, Matthew McConnaughey (dessen Charakter Cooper eine Anspielung auf Testpilot und Nasa-Flugpionier Gordon Cooper ist, der als einer der ersten Astronauten in die Erdumlaufbahn geschossen wurde) und David Giyasi an Bord die Erde verlassen konnte, musste Nolan noch einen guten Freund um Rat fragen. Als er Über-Komponist Hans Zimmer konsultierte, war der gerade dabei, den neuesten Supermanfilm zu vertonen. Die unkonventionelle Anfrage? 


"So, Hans, if I wrote one page of something, didn’t tell you what it was about, just give you one page, would you give me one day of work? Whatever you came up with on that one day would be fine!"

Zimmer sagte zu und hatte ein paar Tage später einen Umschlag in seinem Briefkasten. Mit Schreibmachine getippt. Auf dem Papier stand eine Kurzgeschichte über einen Vater, der sein Kind aufgrund eines wichtigen Jobs verlassen muss. Einen Tag später ließ der Komponist wissen, er wäre soweit. Nolan war gespannt. Setzte sich in sein Auto und fuhr direkt los. Angekommen spielte Zimmer den Track vor, drehte sich um und sah Nolan in seinem Bürostuhl sitzen. “Jetzt muss ich den Film machen” sagte er überzeugt. “Klar, aber was für einen Film” wollte Zimmer wissen. Dann fing er an diese ganze Geschichte über die Rettung der Menschheit, den Weltraum, die Theorien etc. zu erklären und Zimmer antwortete: “aber ich hab dir doch nur ein kleines, sehr persönliches Stück geschrieben”. “Ja, aber jetzt weiss ich wo das Herz des Films ist”. Das Herz, das ist Coopers Tochter Murph, die auf der von Tag zu Tag immer unbewohnbareren Erde zurückgelassen wird, als es für die „Interstellar“-Astronauten Richtung deep space geht.


Per Nolan in die Galaxis: Hier mit seinem Hauptdarsteller am Set...


Auf der Suche nach einem Ersatzplaneten und getreu dem Grundsatz von Murphys Law, geht alles was auch nur auf dem Trip schiefgehen kann, natürlich wirklich schief. So knallbunt wie die gängigen Superhelden-Sagen wo es sonst um die Rettung der Erdenbewohner geht, ist Interstellar jedoch nicht, doch Nolan traut sich viel. Von Überraschungen bei der Auswahl seiner Nebendarsteller, einer gigantischen Explosion im All bei dem er die Soundeffekte stumm stellt, auf der einen, und einem glockenhellen Hans-Zimmer-Bombast-Soundtrack auf der anderen Seite. Schnelle MTV-Ästhetik sucht man vergebens, jede noch so kleine Szene ist bis ins Detail ausgearbeitet und keiner der zahlreichen Effekte wurde im Greenscreen gebastelt. Von Erdähnlichen Planeten, über gigantische schwarze Löcher und allem was wir auf dem Spaziergang ins All noch begegnen, arbeitete Nolan am Set mit Hochleistungs-Beamern, die den Weltraum und die interstellaren Sterne und Planeten direkt an die Studiowand holten.



Ob zum Saturn oder in eine komplett andere Galaxie. Die entstandenen IMAX-Bilder lassen den Zuschauer direkt an dem Spektakel teilhaben. Allerdings ist die 70mm Kopie auf der der Streifen gedreht wurde in Deutschland nur auf 2 Kinoleinwänden zu sehen. Eine davon im Berliner Sony Center. Alle anderen bekommen die digitale Imax-Version, die Nolan kurz vor dem Kinostart in eigener Aufsicht noch mal remasterte, vorgesetzt. Der Hype ist trotzdem kaum zu bändigen. Schon vor dem Dreh waren die Studios so wild auf die finanzielle Auswertung des Projekts, dass Warner Bros. zum Beispiel einen Deal mit einem eher unkonventionellem Tauschpaket abschloss. Warners Rechte an der Erfolgs-Slasher-Serie “Freitag der 13.” und die Schimpfmäuler von “South Park” wurden gegen die internationale Auswertung des Science-Fiction-Film getauscht. Mit der Prämisse, dass in den nächsten 5 Jahren "Freddy" + "South Park" Filme unter Paramount Pictures entstehen, bei dem "Interstellar" eigentlich exklusiv im Vertrag war. Ein so großes Potential und Vertrauen wird einem originellem Sci-Fi-Abenteuer nicht jeden Tag zugesprochen. Zumal der Film mit seiner Überlänge von knapp 3 Stunden und keiner Aussicht auf Sequels auf den ersten Blick nicht allzu große Chancen haben sollte. Irgendwie hat es Nolan aber geschafft seinen eigenen Namen als Qualitäts-Marke zu etablieren und nach „Inception“, der gigantische 800 Millionen einspielte, will Warner ein Stück vom Kuchen ab haben.



Getauscht: Paramount hat jetzt die Rechte an Freddy und Cartmann & Co.


Doch, wobei „Inception“ noch mit wilden Verfolgungsjagden durchs Unterbewusstsein, zumindest für die jüngere Generation, ausreichend Action bot, verlangt der viel ernstere „Interstellar“ sehr viel Aufmerksamkeit von seinem Publikum. Nach dem Presse-Screening fühlten sich viele der Journalisten etwas „lost in space“ nachdem sie den Physik-Theorien nicht immer folgen konnten, während andere von den emotionalen Teilen der Geschichte überrumpelt wurden. Nicht jeder wird einen Zugang in die Story finden. Neben der Physik, nimmt sich "Interstellar" viel Zeit für philosophische Grundsatzfragen. Wie stark ist unser Überlebensdrang? Ist der größte Feind der Menschheit, nicht der Mensch selbst? Wie stark bindet Liebe? Eine Mammut-Aufgabe für einen Science-Fiction-Film die es schaffte den einen oder anderen eine Träne zu entlocken, wobei andere die emotionale Ebene zu kitschig und unausgereift fanden. Dennoch, manchmal scheint sie in den frühen Minuten des Films hervor, diese Spielberg-Magie und man fragt sich, was wohl der eigentliche Regisseur aus dem Stoff gemacht hätte. Mit den Klassikern des Altmeisters, kann sich Nolans Space-Oper trotzdem nicht messen, sie ist einfach zu Erwachsen. Das muss nicht schlecht sein, wenn ein Multimillionen-Hollywood-Blockbuster auch mal den Kopf der Rezipienten anstrengt. 

Doch sind die Synapsen der potentiellen Zielgruppe mit schnellen, wirren Schnitten und explodierenden “Bayham”-Konfettibomben noch so arg belastet, dass nach dem Abspann, zwei von fünf Leuten eher gähnend den Saal verlassen werden und nicht wissen was in diesen 169 Minuten-Abenteuer eigentlich alles passiert ist. Echauffieren kann man sich auch an der Tatsache, dass das Wohlergehen der Menschen mal wieder ausschließlich von einer Handvoll Amerikaner abhängt. Es scheint fast so, als würde die komplette Menschheit nur in dem vom Kolumbus entdeckten Areal auffindbar sein. Asien, Europa oder gar Südamerika wirken gespenstisch abstinent. 



Auch eine uramerikanische Institution scheint sich groß in die Ideen und Handlungsstränge des Films eingekauft zu haben. Streckenweise erscheint die Handlung wie ein Hilferuf der Nasa, die in den letzten Jahren nicht nur immer wieder mit Budgetkürzungen zu kämpfen hat, sondern oft schon durch private Firmen in ihrem Pioniergeist überflügelt wurde. Hört her, scheinen die Nasa-Mitarbeiter zu rufen: Gebt uns mehr Geld. Hört auf nur die Menschen zu ernähren, lasst sie auch mal wieder Träumen. Wir sind die Institution auf der sterbenden Erde, die eine Idee zu eurer Rettung hat. Auch ohne Budget, verbannt im Keller, sind wir trotzdem die Einzigen, die euch Retten können. Retten will Nolan auch sein geliebtes Filmformat. Während ein Großteil der Regisseure dieser Erde nur noch mit digitalen Aufnahmegeräten arbeitet, belichtet er immer noch das sterbende 35mm-Format. Ob es ihm seine Fans und Zuschauer honorieren werden, steht in den Sternen. Die ersten Boxoffice-Zahlen sind dem Hype entsprechend eher mäßig zu bewerten. Knappe 50 Millionen wird das Epos in den Staaten am ersten Wochenende einspielen. Die Kritiken sind gemischt, die Bewertungen der Zuschauer auch. Vielleicht hat der immer wieder als neuer Kubrick gepriesene Regisseur sich ein wenig übernommen. Vielleicht nicht. Die Zeit, wird es uns verraten.



Die komplette Pressekonferenz nach der Premiere in London: 



"FOX 5"-Interview mit Nolan zu Interstellar: 



"The Empire Film Podcast": Interstaller [Spoilers] 



Eyes on Cinema Interview mit Christopher + Jonathan Nolan, Jessica Chastain und Anne Hathaway 



80%


Text: Markus Breuer 
Fotos: Warner Bros.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Videowelt vor 20 Jahren: The Last Boy Scout


Spulen wir die Zeit mal ein wenig zurück. Vor 20 Jahren gab es keine Blu-Rays, keine DVD’s und keine überteuerten 3D-Kinokarten für Filme die auch locker in 2D funktionieren würden. Zurück spulen musste man auch - die nicht gerade vor Qualität strotzenden - VHS-Kassetten die es in den lokalen Videotheken gab. Nachlässigkeit wurde mit einer Straf-Mark geahndet. Weit entfernt von “downloads”, “streaming” und digitalen Projektionen blieb dem Filmfan jedoch nichts anderes übrig als der Weg zum Videoladen um die Ecke.

Willkommen in einer Zeit, bei der man noch schnell mal einen flotten Spruch aus dem Repertoire zog nach dem man jemanden umgenietet hat, eine Zeit in der Actionstars noch Muskeln und wenig Köpfen brauchten, eine Zeit in der Daman Wayans die Glatze hatte und nicht Bruce Willis. 



Japanische Auto-Werbe-Spots machten keinen Sinn, aber hatten den Star aus “Stirb Langsam” als verkaufsfördernden Werbeträger mit an Bord.



“Last Boy Scout” erklomm locker die Siegertribühne der damaligen Videocharts. Ein Actionkracher der alten Schule. Derbe Sprüche, explodierende Autos und ein ungleiches Paar als quirlige Hauptdarsteller. 

“Das sind die Neunziger, du kannst nicht einfach auf jemanden zu gehen und ihm eine geben, du musst vorher was cooles sagen”
      - So bringt es Joe Hallenbeck alias Willis auf den Punkt

Obwohl Produzent Joel Silver mit "Lethal Weapon"-Drehbuchautor Shane Black und "Top Gun"-Regisseur Tony Scott ein klares "Stirb Langsam"-Remake auf die Beine stellte, ist der Film in seiner Machart doch um einiges radikaler. Das Blut fließt in Strömen, Körperteile und Ausdrücke fliegen durch die Lüfte wie Konfetti, Sekt und Glitzer auf wilden Silvesterpartys. “Fuck you Daddy”, “you are an asshole”, “you are such a fuck-up” keift die 13-Jährige Darian (Danielle Harris - die bis Heute mit 83 vorzugsweise Horrorfilmen zu einer nicht gerade unbekannten Scream-Queen gebracht hat) ihren Vater an. Ein wenig zu vulgär, ein bisschen zu verdorben. Shane Blacks Drehbuch zündete die F-Bombe gefühlte 10 Mal pro Seite. Schneidet man nur die Kraftausdrücke des 90 Minuten Films zusammen, bleiben trotzdem 4 Minuten an reinen Anstößigkeiten.




Trotzdem heimste Black die Rekordsumme von 1,7 Millionen Dollar für sein Script, ohne das es jemand vorher gelesen hätte, ein. Damit war er der erste Drehbuchautor der die Millionen-Dollar-Barriere durchbrach. Übertroffen nur von sich selbst, als er fünf Jahre später gigantische 4 Millionen Dollar für „The Long Kiss Goodnight“ nach einer Versteigerung einsackte. Leute in der Hollywood-Industrie wurden hellhörig, neidisch, sogar sauer. Wie dieser Artikel aus der US-Variety zeigt. Autor Peter Bart – eigentlich ein guter Freund Blacks – echauffiert sich über ein Drehbuch, dass angeblich 1/3 seiner Leser zum kotzen brachte. Du bist nicht mehr nur noch ein "Schriftsteller", du bist mittlerweile eine "Figur der Industrie" schrieb Bart in dem mehrseitigen Memo an seinen Freund. Beruhig dich einfach wieder, schließt er ab. Deine Charaktere sind zu brutal, du hast deine Waffen nicht mehr unter Kontrolle. 


But cool it, kid. Your weapons are out of control. If the French have established a "language police" to protect their native tongue against vulgarization, then Hollywood may have to come up with its own language police to protect against Shane Blackisms.
 Mit dem Drehbuch zu „lethal Weapon“ begann Blacks Hollywood-Karriere. Im gleichen Jahr als er als Soldat Hawkins eine der ersten menschlichen Trophäen für den „Predator“ wurde (Shane startete seine Karriere als Schauspieler), sorgten Riggs und Murtaugh für klingelnde Kassen in Joel Silvers Produzentenbüro. 


Shane Black als Soldat Hawkins in "Predator" 1987
Gedankt hat er es ihm wohl immer wieder. Nach dem kommerziellen Misserfolg von "The Long Kiss Goodnight" ging es bergab mit dem Wunderkind, dass mit nur 23 Jahren ein Drehbuch wie "Lethal Weapon" ablieferte. Partys wurden gefeiert, doch wirklich arbeiten konnte Black nicht mehr, wie er in einem Interview bestätigt. 2005 produzierte Silver dann Shane's Regie-Debut "Kiss Kiss Bang Bang". Nur 15 Millionen Dollar konnte er für den wilden Mix aus Film Noir und Buddy-Komödie zusammen kratzen. Fans lieben den Film, der auch ein großer Erfolg für Robert Downey Junior ist, doch mit nur 4 Millionen Dollar Einspielergebnis in den USA, ist er alles andere als rentabel. Wieder wird es ruhig um Shane Black.



Mittlerweile ist Black jedoch wieder Auferstanden und scheint aus dem Nichts plötzlich am Höhepunkt seiner Karriere angekommen zu sein. Interviews auf der Comic-Con, Gerüchte im Internet streuen  und Fotos mit Kumpel Robert Downey Junior & Don Cheadle machen. 


Comic-Con 2012 
Shane Black schreibt das Drehbuch und führt Regie bei "Iron Man 3". Ein Hochpunkt, ein Triumph, eine schwere Bürde. Im Mai 2013 startet der Bombast-Blockbuster in den Kinos. Eines ist schon jetzt klar: Diesmal wird auch ein Film von Shane Black mal rentabel sein. 


Zurück ins Jahr 1992. Damals wollte Shane einen Film machen, der Tribut an „The Big Sleep“ zollt. "Zum Glück hat The Last Boy Scout ein gewisses Maß an Selbstironie. Doch Black ist kein Raymond Chandlers, Bruce ist nicht Bogart." Urteilte die damals noch recht relevante Kinozeitschrift "cinema". 



cinema, märz 1992



Trotz Ungereimtheiten: Eine 100% Bewertung. Ein Actionspektakel für große Jungs. Trockener Humor und Videoklip-Ästhetik überzeugen die Redaktion. Dabei schafften es nicht wirklich alle Spitzfindigkeiten aus dem Drehbuch in den finalen Film. So schrie Football-Star Billy Cole am Anfang nicht “Ain’t live a bitch”, sondern:



               COLE


I'm going to Disneyland...

Puts the GUN to his helmet. FIRES. 

Regisseur Edgar Wright ("Shaun of the Dead") scheint den Klassiker dennoch zu lieben. Immer wieder zeigt er den Film einem Publikum zum Neu-Entdecken in London's Prince Charles Cinema und LA's New Beverly Cinema. 
The movie still plays like a dragon eating its own tail, an action thriller framed by flaming air quotes. While completely dismissed by some, it predates the 90′s vogue for meta madness and exhibits the thick ear exuberance of a coked up ‘Kiss Me Deadly’. As you can tell, I highly recommend it.
Vor 22 Jahren sah das alles noch ganz anders aus. "The Last Boy Scout" startete zur Weihnachtszeit, Hollywood-Studios kämpften mit enttäuschenden Ticketverkäufen und Warner baute eher auf den Thriller "JFK" als den fiesen Buddy-Movie-Bastard. Für viel zu brutal wurde der Streifen eingestuft. 

Body Count: 



Die Internet Movie Firearms Database "imfdb" zählt folgende Waffen auf, die in 90 Minuten zu ihrem tödlichen Einsatz kamen. 




Die Kritiker waren sich indes einig. Eines hatten alle zu bemängeln: den Fakt, dass Frauen nicht wirklich etwas zu tun hätten in Tony Scott's nüchternem Actionfeuerwek. Hallenbacks Frau betrügt ihn, seine Tochter flucht sich durch den Tag. Einzig und allein Halle Berry – die damals noch recht unbekannt war – konnte durch ihre Mini-Rolle als exotische Tänzerin “Cory” überzeugen und blieb den Kritikern im Gedächtnis.


Halle Berry als Stripperin Cory
“Das beste am Film ist Halle Berry, eine Schauspielerin von der man noch viel hören wird”
(Was für prophetische Fähigkeiten die New York Times doch hatte). Dennoch – viel Textil war ihr nicht vergönnt und lange überlebt auch sie im Film nicht. Und mal ganz ehrlich: Für dieses Verbrechen von einer Zebra-Leder-Fransen-Jacke hat sie ihren frühen Screen-Tod auch irgendwie verdient. 

Halle Berry
 I don't think women will want The Last Boy Scout.
Postulierte Kritikerin Kathleen Maher im Austin Chronicle. Wozu auch? Denkt man sich, lehnt sich zurück und genießt einen äußerst bösen, vor Dialogwitz strotzenden Action-Krimi mit Krawall-Szenen die man sich wohl nur vollgekokst auf irgendeiner Pool-Party in LA ausgedacht haben konnte. Die als "MTV-Generation" tätolierte Jugend dankte und nominierte die Helikopter-Schluss-Sequenz als "Best Action Sequence" bei den MTV Movie Awards 1992. 




Auch Willis und Wayans wurden nominiert. Als "Best On-Screen Duo", mussten sich aber den beiden hier geschlagen geben. 


Wie ihr schon merkt. Wir empfehlen diesen fiesen Thriller. 

80%

tödliche "fat wife" Scherze



Trailer: 


Die Blu-Ray auf amazon.de: 




Montag, 3. Dezember 2012

Gesichtet: Taken 2



96 Hours – Taken 2

Regie: Olivier Megaton

Darsteller: Liam Neeson, Famke Jannsen


Homepage: http://www.96hours-taken2.de/

Rottentomatoes: 21%
Boxoffice:
http://boxofficemojo.com/movies/?id=taken2.htm





Was verursacht - statistisch gesehen - die höchste Sterberate bei 25 - 32 jährigen, im Menschenschieber-Business aktiven, Albanern? Natürlich! Liam Neeson. Der Charakterdarsteller ballert sich in “96 Hours - Taken 2” erneut durch die osteuropäische Menschenhandel-Szene. Diesmal schnappen sich die Bösewichte nicht seine Tochter, sondern entführen seine Frau und Neeson alias Ex-CIA-Agent Bryan Mills höchstpersönlich.




Vor vier Jahren hätte Mills in Paris noch den Eiffelturm umgerissen, um Töchterchen Kim aus den Fängen der Fieslinge zu befreien und scheute nicht davor zurück, extreme Gewalt, Folter & alte CIA-Kontakte zu nutzen um an sein Ziel zu kommen. Dabei starben eine Prostituierte, Kims beste Freundin und haufenweise albanische Gangster. Zumindest um einen davon, wird nun in der Eröffnungs-Beerdigungs-Sequenz getrauert. Familienoberhaupt Murad schwört Rache und will - koste es was es wolle - Mills zur Strecke bringen. 


Premiere am Times Square
Der ist gerade auf Bodyguard-Mission in Istanbul unterwegs und befindet sich dann auch ziemlich schnell samt Frau in den klauen des rachsüchtigen Vaters. Jetzt wird der Spieß umgedreht und Tochter Kim muss ihrem Daddy helfen, wieder frei zu kommen.




Mit “Taken”’s gigantischen Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar weltweit hatte 2008 niemand gerechnet. Da fällt es jedem Produzenten natürlich schwer nicht direkt für Nachschub zu sorgen, auch wenn es keinen offensichtlichen inhaltlichen Grund gibt, weiterzumachen. Man nehme die bewehrten Zutaten aus dem ersten Teil und verlagere die Story in eine andere Stadt, fertig ist der neue Film. Ein riesiger Pluspunkt ist aber, dass Liam Neeson - dessen Rolle in “Taken” schon längst Kultstatus genießt - wieder mit an Bord ist. Nach dem großen Erfolg des Originals entwickelte sich der 60-Jährige mit Filmen wie “A-Team”, “Unknown” oder “The Grey” zu einem gern gesehenen, abgeklärten Action-Opi.




Auch in “96 Hours - Taken 2” füllt sich wieder ein Leichensack nach dem anderen. Istanbul ist dabei eine gern gesehene Kulisse, obwohl mit brachialer Härte der Gemüsemarkt, die amerikanische Botschaft oder ein Hammam zerstört wird, kommt immer wieder Urlaubs-Flair auf. Da stört es auch kaum, dass sich in der Stadt niemand dafür interessiert, wenn Töchterchen Kim mal die eine oder andere Handgranate, als Signal für Papi auf den Häuserdächern in die Luft gehen lässt. 



Auch dass das Wort “nachladen” nicht in Bryan Mills’ Wortschatz vorkommt und wohl eher für Pussys wie “James Bond” oder “Jason Bourne” erfunden wurde, ist schnell verkraftet. Wieso die Bösewichte ihren Erzfeind - nachdem er locker über 30 von ihren Freunden gekillt hat - dann nur mit einem Bändchen Kabelbinder an einen Stuhl fesseln und sich sicher fühlen, dass wird wohl jedoch für immer ein Rätsel bleiben.

Obwohl “96 Hours - Taken 2” immer mal wieder an eine Steven-Seagal-Videopremiere aus den Neunziger Jahren erinnert, macht es trotzdem einen Heidenspaß Neeson mit grimmiger Miene als Ein-Mann-Bulldozer durch die Türkei wüten zu sehen. Zwar ein wenig mit angezogener Handbremse und ohne die kleinen, fiesen Genre-Grenzüberschreitungen des Originals, dafür aber mit einem weitaus höherem Budget und schicker Hochglanz-Optik.

Trailer: 



Liam Neeson im Interview: 




40%
Text: Markus Breuer 

Samstag, 24. November 2012

Gesichtet: Silver Linings Playbook


Silver Linings Playbook
Start: 03.01.2013
Regie: David O'Russel
Mit: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro  



box office: 




Bradley Coopers Charaktere haben meistens schwerwiegende Drogenprobleme. Manchmal sind sie sich dessen bewusst, manchmal nicht. Entweder er säuft sich mit seinen Freunden fast in den Tod („Hangover“), er wird durch den übermäßigen Konsum ultra kreativ („Limitless“) oder Herr Cooper säuft sich an exotischen Plätzen erneut mit seinen Freunden fast in den Tod („Hangover II“). 


Wenn man es nicht besser wüsste, sollte man ihm doch einen Entzug ans Herz legen. Auch in „Silver Linings Playbook“ bedient sich Pat alias Cooper an einem weitreichenden Pillen-Cocktail. Wieso? Na ja – Pat ist bipolar. Irgendwann in der Vergangenheit hat er seine Frau mit jemand anderem unter der Dusche erwischt und ist nun mal ausgerastet. Acht Jahre saß er in einer psychiatrischen Anstalt. Jetzt ist er endlich raus und wohnt wieder bei seinem abergläubischen Football-Fan-Papa (Robert De Niro) und seiner Mama im Kinderzimmer. Fest im Glauben seine Frau wolle ihn wieder zurück haben, ignoriert er die anbandelnde Schwester eines Kumpels. 


Aber auch Tiffany (Jennifer Lawrence) hat so ihre Probleme und die dazugehörige Medikation. Nachdem ihr Mann bei einem Autounfall starb vögelte sie nicht nur mit allen Mitarbeitern in ihrem Büro, auch die halbe Nachbarschaft hatte es ihr angetan. Man kann sich jetzt natürlich denken, dass sich die beiden auf irgendeine Weise näher kommen. Stimmt auch. Dabei sind der schwarze Humor, Pat's plötzliche Wutausbrüche, eigenwillige Tanzkurse, schrullige Brüder, kriminelle Freunde und wilde Football-Wetten so pointiert und unterhaltsam inszeniert, dass man nicht nur während des gesamten Films ein Grinsen auf dem Gesicht hat, sondern auch noch weit darüber hinaus. Ganz ohne Drogen versteht sich.  

Seine Premiere feierte "Silver Linings Playbook" auf dem Toronto Filmfestival. Hier die komplette Pressekonferenz:


Trailer: 


70%

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Gesichtet: Killing Them Softly



Killing Them Softly
Kinostart: 29. November 2012
Regie: Andrew Dominik
Darsteller: Brad Pitt, Ray Liotta, James Gandolfini, Sam Shepard







Es hört einfach nicht mehr auf zu Regnen, die Sonne scheint hier schon seit Jahren nicht mehr vorbei geschaut zu haben, ein getunkt in trüben Sepia-Farben wandeln Kleinganoven, Nutten und bewaffnete Gangster durch verkommende Gassen. Willkommen in Amerika im Jahr 2008. Barack Obama kämpft gegen John McCain um den Posten des scheidenden Präsidenten George Bush. Die Wirtschaftsblase ist geplatzt. Das Land steht am Abgrund. New Orleans gleicht drei Jahre nach Hurrikan „Katrina“ immer noch einem Kriegsgebiet.


Für Frankie und Russel sieht es auch in absehbarer Zukunft nicht gerade rosig aus. Es scheint einfach keine vernünftigen Jobs mehr zu geben. Doch während Frankie sich langsam wieder in seine warme Zelle zurückwünscht, ist Russells Hoffnung noch nicht ganz verschwunden. Er will in ein paar Jahren das große Geld als Heroindealer machen. Nur an das Startkapital muss er irgendwie ran kommen. Vor allem scheint es dabei jedoch nicht hilfreich zu sein, dass er selbst sein bester Kunde ist und vom Drogenrausch benebelt im Halbschlaf durch seine trübe Welt wandelt. Ein Überfall auf Markies Kartenspieler-Truppe soll seine und Frankies Geldsorgen vergessen Lassen. Gangster beklauen Gangster. Natürlich bleibt so ein Beuteraubzug nicht ohne Konsequenzen. Auftritt Brad Pitt alias Auftragskiller Jackie. Mit zurück gegeelter Haarpracht, Lederjacke über den Schulten und einer Sonnenbrille auf der Nase, die sogar Steve McQueen vor Neid erblassen lassen würde, wandelt er als gefallener Engel auf einer todbringenden Mission durch den Gott verlassenen Vorort. Regisseur Andrew Dominik könnte mit seinem Gangster-Streifen auch auf Zeitreise aus den rohen achtziger Jahren gekommen sein. Wir treffen auf geschwätzige Charaktere die meist Reden, wenn sie sich nichts zu sagen haben, einsame Junkies treffen auf perspektivlose Gangster. Eine Stadt voll von verlorenen Seelen.


Regisseur Dominik scheint die Hoffnung in sein Land schon komplett aufgegeben zu haben. In Amerika bist du auf dich allein gestellt, flüstert Pitt seinen Auftraggebern ins Ohr. Wir sind kein Volk, Amerika ist ein Business. Sozialkritik, verpackt in einem wütenden, fluchenden, aussagekräftigen Kleinganoven-Thriller mit großen Darstellern. James Gandolfini flucht sich vom Schnaps gezeichnet durch billige Hotelzimmer und wenn in extremer Zeitlupe auf Ray Liottas vom Botox und Narben gezeichnetes Gesicht eingeprügelt wird, der Regen dabei plätschert und die Knochen langsam knacken, inszeniert Dominik seine Szenen auf skurille Weise in einer wohligen Symphonie. Gewalt als Poesie in einer Welt, die wohl nicht mehr zu Retten ist. Killing Them Softly überzeugt als intelligenter Arthaus Film verpackt in einem vulgären Thriller, der es verdient von einem großen Publikum gesehen zu werden.


Übrigens: Auch das Cannes-Filmfest spielte Killing Them Softly im Offiziellem Programm. Hier ist die gesamte Pressekonferenz. 



Trailer:


Text: Markus Breuer
Fotos: Promo   

Montag, 19. März 2012

Gesichtet: Nathalie küßt



Nathalie Kuesst 
Kinostart: 12.04.2012


















Audrey Tautou? Das ist doch diese super süße Französin aus dem “Amelie“-Film? Genau! Die mit den Knopfaugen und dem tollen Lächeln. Seit ihrer großen Rolle in dem Jean-Pierre Jeunet -Kultstreifen hat die mittlerweile 36-Jährige aber noch so einiges anderes gemacht.





 An der Seite von Tom Hanks knackte sie den „Da Vinci Code“ in ihrem einzigen großen US-Blockbuster, für Chanel stand sie nicht nur als Werbegesicht vor der Kamera, sie verkörperte die Modeschöpferin auch selbst in dem Biopic „Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft“, dass ihr eine englische Bafta- und eine spanische César-Nominierung einbrachte. Bald ist sie in dem Michel Gondry-Streifen „L'écume des jours“ zu sehen, doch vorerst schwebt sie für alle frankophilen wundervoll leichtfüssig durch das seichte Komödien-Drama „Nathalie Küßt“. Einen Film den man auch getrost in ein eigenständiges, neues Genre eintüten könnte: „Tautouploitation“. 





Ja, im Adaptieren und Drehen seines eigenen Romans, mit Hilfe von Bruder Stéphane, feiert David Foenkino ein großes Audrey Tautou-Fest. In unzähligen, langen, verfolgenden Kamerafahrten werden entweder ihre filigranen Beine, ihr Nacken, oder der leuchtende spitze Mund seiner Hauptdarstellerin gezeigt. Sogar in ihren Gedanken schwelgt man des öfteren. Natürlich muss das nichts Schlechtes sein, es gibt schlimmeres als Audrey Tautou dabei zuzusehen, wie sie einfach sie selbst oder eben die Titel gebende Nathalie ist. Die wiederum hat es gar nicht so einfach in ihrem Leben. Nicht nur das ihr Chef (In welcher Branche sie arbeitet, kommt nie genau zur Sprache) über beide Ohren in sie verliebt ist, sogar ihr Sunnyboy-Freund kommt immer wieder dazu ihr ihre „Unglaubligkeit“ zu beweisen. „Neben ihr verblassen andere Frauen, sie ist wie Yoko Ono. Die sprengte mit ihrer Schönheit einst die größte Band aller Zeiten“ heißt es. 






Wie hübsch da erst ihre Kinder werden, denkt sich auch Audreys – Pardon -- Nathalies Filmfreund François. Schnurstracks werden die Eltern vom Mittagstisch verbannt und so schnell wie möglich das heimische Bett aufgesucht. Schade nur das sich Francois auch sonst recht fit hält. Bei seinem täglichen Jogging-Training stirbt Nathalies Freund plötzlich. 

Drei trauernde Jahre vergehen und die Schönheit stürzt sich in Arbeit. 
Allen Flirtversuchen des Chefs zum Trotz, bleibt sie lieber Single. Bis plötzlich der depressive Schwede Markus in ihrem Büro steht. 







Eine Kombination aus Opa-Pullis in verschiedenen Beige-Tönen tragend und die verschwitzte Halbglatze noch gerade abgetupft, fällt sie ihn plötzlich an und drückt dem Ahnungslosen einen dicken Schmatzer auf. Was woanders als sexuelle Belästigung gelten könnte, lässt Markus kurzzeitig wieder wie einen pubertierenden Jüngling durch die Strassen laufen. Tja, so ein „French-Kiss“ bewirkt Wunder. Hier kommt „Nathalie küßt“ dann kurzzeitig in Fahrt. Eine Romanze mit dem – im echten Leben belgischen Comedian François Damiens – kann sich nämlich keiner so wirklich vorstellen. 






Nicht nur der verwirrte Chef, auch ihre besten Freunde sind geschockt, dass die wundervolle, smarte Nathalie so einen bulligen Typen trifft. Hier kommen nicht nur hinreißend, skurille Situationen zustande, auch der schwarze Humor tut dem sonst eher schmalzigen Streifen gut. Ob das ungleiche Paar sich verliebt und was man sonst noch so von Audrey sieht, das wird erst ein Kinobesuch zu Tage bringen. Allen Dramen-Erprobten Fans von Audrey Tautou ist der Streifen wärmstes zu empfehlen. Alle anderen würden eh nicht reingehen.





Fotos: Promo
Text: Markus Breuer