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Samstag, 23. März 2013

Interview: Mark Wahlberg



Gelb gewellte Auslegware und Treppen aus weißem Marmor weisen uns den Weg. Wir befinden uns im Ritz Carlton am Potsdamer Platz und warten auf Mark Wahlberg. Kurz vor der Berlinale jettet der berühmte Ex-Rapper, Ex-Calvin-Klein-Model und mittlerweile einflussreiche Hollywoodstar und Produzent in die Hauptstadt um die Promo-Trommel für seinen neuesten Streifen “Broken City” zu rühren. Ganz ungezwungen und mit bester Laune betritt er den Interview-Raum “Hey Jungs, wie geht’s euch?” informiert er sich in einem kumpelhaften Umgangston. Dabei sieht Marky Mark so aus, als wäre er direkt aus dem Wellness-Bereich des Luxus-Hotels zu uns gestossen. Bunte Sneakers an den Füßen, T-Shirt, Schweißbändchen am Arm und eine Flasche Hydro-Water in der Hand. Natürlich trinkt er auch nur das, ihm gehört schließlich ein Teil des Konzerns der dahinter steht. Doch dazu später mehr. Reisen wir erst mal in seine bewegte Kindheit.

Herr Wahlberg, wie war es, als eins von neun Kindern in einer Arbeiter-Groß-Familie auf zu wachsen?

Es war ziemlich normal, denn es war das einzige was ich kannte. Ab einem bestimmten Alter merkte ich, dass ich mir nicht alles leisten konnte, was andere Kinder so hatten, aber wir hatten immer uns und das reichte. Es war sehr chaotisch, aber meistens cool und vor allem, wenn man mal in einen Kampf geraten ist, konnte man immer einen seiner anderen Brüder um Hilfe bitten.

Wann kamen die ersten Träume ans Kino und die Idee beim Film zu arbeiten?

Das kam alles erst sehr spät, als ich Danny DeVito und Penny Marshall getroffen hatte, so mit 20 oder 21 Jahren. Das Kino habe ich aber schon immer geliebt. Meine Lieblingsbeschäftigung war es mit meinem Vater Filme zu gucken. Der erste Film den ich jemals im Kino gesehen habe war “Ein stahlharter Mann” mit Charles Bronson. Ich erinnere mich noch als wäre gestern gewesen. Steve McQueen, Robert Ryan und James Cagney, alle diese Typen, die besser als andere aussahen, wurden meine Idole.

Toll macht er das alles. Man fühlt sich so, als hätte man einen entspannen Kumpel neben sich zu sitzen, der ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert und das alles gar nicht so anstrengend findet. Fragen wir ihn mal etwas zu dem Film, der eigentlich promotet werden soll.

Niemand hat eine reine Weste in “Broken City”, es gibt kein echtes Happy End, dass ist alles ein wenig untypisch, was hat sie dazu bewegt den Film zu machen?

Ich liebe diese Welt, mag das Material, solche Filme machen mir einfach Spaß und es kann nicht immer Happy-Endings geben. Filme über Korruption und Leute die viel Macht haben und diese falsch nutzen ziehen mich einfach magisch an, obwohl ich auch vieles anderes mache, sind es doch genau diese Geschichten die ich zeigen möchte. Macht ist einfach gefährlich und schon als Kind hatte ich es mit korrupten Polizisten zu tun. Es ist eine Welt in der ich mich wohl ziemlich gut auskenne.

Welche Rolle hatten sie als Produzent bei dem Projekt, konnten sie selbst die Schauspieler aussuchen?

Ich habe alle Schauspieler ausgesucht, mich um alles gekümmert. Vom Geld besorgen, über die Idee den Streifen unabhängig zu produzieren. Wir haben ihn im Geiste einer Fernsehproduktion gemacht. Weniger Geld, weniger Zeit, aber wenn man gutes Material hat, verzichten große Schauspieler auch mal gerne auf ihre normalen Gagen.

Stimmt es, dass sie eigentlich die Rolle des Bürgermeisters übernehmen wollten?

Ja, wisst ihr, man will immer die Rolle haben, für die man eigentlich nicht der richtige ist. In “Ted” wollte ich eigentlich der Bär sein, wenn man “Scarface” liest, will man “Scarface” sein.

Aber wieso ist Russel Crowe dann besser geeignet als sie?

Na ja, vor allem stimmt es mit dem Alter eher als bei mir. Aber junge Leute wollen immer die alten und die alten die jungen spielen. Ich habe mal ein Drehbuch von Paramount Pictures bekommen und es gelesen. Es ging um einen alten und einen jungen Typen und ich wurde immer aufgeregter und hatte mich in Geschichte verliebt. Vielleicht rufe ich Jack Nicholson an, er ist ein Kumpel von mir oder Tommy Lee Jones, die wären perfekt für den alten part. Dann bekomme ich einen Anruf aus dem Studio. Sie fragen mich, was ich von Gerrett Hedlund halte. Er ist cool, aber wieso wollt ihr das wissen? Antworte ich. Na ja, er soll den jungen Typen spielen. Wie bitte? Wer bin ich dann? Schreie ich in den Höhrer, ich bin schon der verfickte alte Typ? Das geht alles so schnell.

Stimmt es, dass es während dem Dreh einen Unfall gab?

Ja, es gibt diese Szene wo mein Charakter anfängt zu trinken, weil er seine Freundin, die ja Schauspielerin ist, auf der großen Leinwand in einer Sexszene sieht. Grauenhaft, meine Frau würde ich auch nie in so etwas sehen wollen, sie hasst es auch, wenn ich erotische Szenen drehe. Er geht also auf die Strasse und verprügelt ein Paar Männer, macht was kaputt und wirft Flaschen umher. Ich hab einfach ein paar Freunde angerufen, denen ich aufs Maul hauen konnte und wir haben mit der Kamera drauf gehalten.

Wie bitte?

Ja, ich hatte keine Lust viel zu choreographieren, also rief ich zwei Freunde an, sagte ich bring euch in meinen neuen Film. “Cool, was sollen wir machen” erwiederten sie und wussten auch gleich es wird was verrücktes werden. Stellt euch einfach in die Ecke da hinten und schaut was passiert. Ich rannte hin und wir schlugen einfach die Scheisse aus uns raus. Plötzlich schreitete die Polizei ein und wollte einen Schlussstrich unter die Sache setzen. Es reicht, sie wollten mir die Drehgenehmigung weg nehmen. Also musste ich im Büro des echten Bürgermeisters anrufen und um Vergebung bitten, damit wir weiter machen konnten.

Herrlich, wie er mit kleinen Anekdoten und persönlichen Geschichten um sich wirft, er weiss einfach wonach die Presse lechzt. Ein Profi. Und jetzt wird er richtig leidenschaftlich. Man sieht ihm die Passion richtig an, spürt wie er sich für Projekte begeistern kann.

Sie haben die amerikanischen Rechte des norwegischen Films “Headhunters” erworben?

Ich liebe diesen Film einfach, er ist so großartig.

Ein zustimmendes Nicken von unserer Seite aus.

Hast du den Film gesehen? Fragt Wahlberg.

Ja, er war super!

An dem Tag wo ich ihn sah, haben wir gerade “Broken City” gedreht und meine Familie plante vorbei zu kommen, weil wir Thänksgiving feiern wollten. Ich habe einem Kumpel gesagt, er muss ihnen erklären, dass ich erst diesen einen Thriller zu Ende sehen muss. Wir wollten eine amerikanische Version davon drehen. Und dann wurde ich richtig traurig, weil er eh schon verkauft war. Ich wollte ihn produzieren und drin mitspielen, hatte mich schon mit dem Regisseur getroffen, also habe ich den neuen Verleih angerufen und denen erklärt, dass sie verkacken werden und ich das machen muss, aber im Moment weiss ich nicht mal mehr wo die Rechte geblieben sind. Oh man, erinnert ihr euch noch an diese eine Szene, wo das Polizeiauto die Klippe runter fällt, oder als er sich die Haare mit dem Messer schneidet?! Einfach verdammt großartig der Streifen. Oder die Szene mit dem Hund. Wow!

Genug geschwärmt, holen wir ihn mal ein wenig zurück in die Realität und stellen die obligatorischste aller Fragen.

Du hast schon immer einen wohl trainierten Körper, wie wichtig ist dir Fitness und was ist dein Geheimnis?

Ich liebe es meinen Körper zu pushen, ich kann mich an physische Grenzen bringen, aber es kommt immer darauf an, was ich gerade spiele. In “Broken City” reicht es aus, normal rum zu laufen, aber in “Pain & Gain”, den ich mit Michael Bay gedreht habe, musste ich richtig pumpen gehen. Ich spiele einen Bodybuilder.

Vermisst du die Zeit als Marky Mark manchmal und ist deine Musik-Karriere endgültig ein geschlossenes Kapitel in deinem Leben?

Es ist auf jeden Fall vorbei. Aber es waren echt lustige Zeiten. Ich kann mich noch daran erinnern oft in Deutschland und Berlin gewesen zu sein und allen möglichen Trubel veranstaltet zu haben. Es gibt aber keinen Fokus und keine Disziplin im Musik-Business, dass ist der größte Unterschied zum Filmemachen.

Welche Musik hörst du denn Heutzutage so?

Ach, keine Ahnung. Aber meine neunjährige Tochter liebt Taylor Swift. Mein Sohn, er ist sechs Jahre alt, hört den ganzen Tag Jay-Z und Kanye West. Alleine im Auto höre ich Rock, aber meistens diktieren die Kinder, was wir für Filme gucken und für Musik hören.

Kannst du überhaupt noch relaxen, wenn du deine Filme produzierst und mitspielst?

Nein, das klappt einfach nicht. Die Tage werden immer länger und vieles passiert in der Nacht. Man kommt nach Hause und die Sonne geht schon wieder auf, es ist schwer ein zu schlafen, du musst alles abdunkeln. Ausruhen ist da nicht drin.

Du hattest so viele verschiedene Karrieren. Als Rapper, Model, Schauspieler, was kommt als nächstes, was passiert noch so in deinem Leben?

Ich habe viele verschiedene Business-Ideen, vor allem abseits der Filmindustrie. Mir gehört ein Teil des bekannten “AquaHydrate”-Konzerns…

Er spielt mit dem Wasser auf dem Tisch herum.

…der mit Elektrolyte versetztes Wasser herstellt. In Zukunft will ich darauf hin arbeiten alles was ich produziere auch selbst behalten zu können, also mein eigenes Studio zu haben.

Wie sieht es mit selbst Regie führen aus?

Da habe ich auf jeden Fall schon drüber nachgedacht, aber das nimmt so viel Zeit weg. Ich habe vier Filme die dieses Jahr raus kommen, dann noch Regie irgendwo machen, klappt nicht mehr. Aber wenn das richtige Projekt zur richtigen Zeit kommt, wieso eigentlich nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quatsch, ich danke euch dafür. Ruft er noch in die Journalisten-Menge. Posiert brav für ein Paar Fotos und muss dann auch schon weiter zu der nächsten Gruppe. 

Interview/Foto: Markus Breuer

Montag, 3. Dezember 2012

Interview: Liam Neeson zu "Taken 2"



Interview: Liam Neeson zu „96 Hours – Taken 2“

Wir befinden uns mitten in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Hollywood-Regie-Liebling Steven Spielberg hat mit seinem Holocaust-Mammut-Filmprojekt “Schindler’s Liste” gerade haufenweise Oscarnominierungen eingeheimst. Darunter auch für Oskar-Schindler-Darsteller Liam Neeson. Die Welt schaut auf den irischen 193cm Hünen. Plötzlich klingelt das Telefon mit einem Angebot, dass seine Karriere komplett ändern könnte. In einem Film namens “Goldeneye” soll er die Hauptrolle übernehmen. Richtig! Ein Ire als Macho-Geheimagent James Bond. Doch er lehnt vehement ab. Begründung? Neeson sieht sich einfach nicht in einem Actionfilm und war auch nie daran interessiert bei solchen Filmchen mit zu machen.


Seit dem kämpfte er als schottischer Highlander in “Rob Roy”, überzeugte als irischer Revolutionsführer “Michael Collins”, schwang sein Jedi-Schwert um Obi-Wan Kenobi und Darth Vader in “Star Wars” zu trainieren, bildete Batman in den düsteren Neuverfilmungen in allen wichtigen Kampfsportrichtungen aus, lieh dem mysthischen Löwen Aslan in den “Narnia”-Filmen seine Stimme und verkörperte Zeus persönlich, was ihn mindestens in zwei Religionen zu einem Gott macht. Er war der Kopf des Kino “A-Teams”, ein begnadeter Wolfskiller in “The Grey” und trotzdem kamen fiese Menschenhändler in “96 Hours” auf die Idee seine Tochter zu entführen. Als pensionierter CIA-Agent Bryan Mills, der sogar den Eiffelturm abreissen würde, um sein gekidnapptes Kind wieder zu bekommen, ballerte sich Neeson 2008 in die Herzen der Actionfans. Nur den Oscar - den hat er noch immer nicht bekommen. Egal - denn jetzt startet die Fortsetzung “96 Hours - Taken 2” in den Kinos und der neueste Actionheld am Hollywood-Himmel sitzt uns im 5-Sterne Hotel gegenüber.

Seine Haut ist braungebrannt, als würde er gerade aus dem Urlaub zurück kommen, er trägt einen schwarzen Anzug, dazu ein dunkelblaues Hemd, Haifischkragen, die ersten paar Knöpfe sind offen. “Wo soll ich mich hinsetzen?” brummt seine beruhigende Stimme bei schummrigen Kronleuchter Licht in das Luxus-Hotel-Zimmer am Berliner Gendarmenmarkt. Da die Nachfrage natürlich groß ist und der Hollywoodstar-Kalender gefüllt, teilt man sich die 20 Neeson-Minuten gerne mit 5 anderen Kollegen, die mit am Runden Tisch vor dem Hauptdarsteller sitzen. Alles ist mit dabei. Die junge, hippelige Blondine, die eigentlich nur ihr Facebook-Foto beansprucht und dieses lästige Interview-Geschwafel am liebsten so schnell wie möglich hinter sich bringen will. Der schüchterne Fan, der auch mal leicht ins Stottern kommt, die abgeklärte Boulevard-Jounalistin, sie alle haben ihre Fragen und kämpfen um jede Sekunde Aufmerksamkeit. “Ob er ein Wasser will?” fragt eine besorgte PR-Dame. Natürlich nicht. “Ihm geht’s gut” antwortet er, während er mit einem Zahnstocher in seinem Mund herumpuhlt und sich gelassen der Fragerunde stellt.

Wie fühlt es sich an, wieder in die gleiche Rolle zu schlüpfen?

Es ist so, als würde man einen sehr komfortablen Anzug anziehen.

Als sie das erste Mal, diesen Anzug trugen, passte er nicht wirklich ins Liam Neeson Ouevre. Sind solche Actionfilme nicht eine große Herausforderung für sie?

Ja. Klar. Besonders vom körperlichen Aspekt her. Aber es ist
einfach ein großer Spaß.

Wie haben sie sich auf die Action vorbereitet?

Ach. Na ja. Ein wenig mit der Waffe trainiert. Und ich war 7 Tage die Woche im Fitnessstudio. Eine Actionszene ist wie ein Tanz. So was macht mir - wie gesagt - einfach Spaß.

Und das mit seinen sechzig Jahren. Na gut, bevor er Physik, Mathe und Theaterwissenschaften studierte um Lehrer zu werden und später Brummifahrer war, erkämpfte sich Neeson in jungen Jahren den nordirischen Meistertitel im Boxen. Anscheinend hat der Mann nie mit dem Fitnesstraining aufgehört. Er ist auch die Ruhe in Person, als er die ersten Fragen in seiner ausgeglichenen Stimmlage beantwortet. Sogar unser Fan wird von seiner Aura beruhigt, stottert nicht mehr und bohrt drauf los.

Wie lange habt ihr an der finalen Action-Szene im Hamam in Istanbul gedreht?

Lass mich überlegen. Wir durften nur 2 Tage mit dem Team dort sein. Und die haben die Heizung schon zwei Tage vorher abgestellt…

Jetzt kommt er ein wenig ins Schwärmen.

…Trotzdem war es noch immer verdammt heiß! Das Ding wurde vor 500 Jahren als Hamam gebaut. Es ist 500 Jahre alt und noch immer ein Hamam.

Ein verständnisvolles Nicken von unserer Seite. Für eine Sekunde passiert nichts im Raum.

Sehen sie sich als Actionheld?

Och nein. Ich habe 56 Filme gedreht.

Man schaut ihm in die müden Augen. Er schiebt seinen Zahnstocher gelassen im Mundwinkel hin und her, gönnt sich immer wieder Atempausen um dann etwas wortkarg zu antworten. Mit seiner Gelassenheit und der entspannenden Stimmlage fühlt man sich, als würde ein vertrautes Familienmitglied seine Anekdoten seelenruhig am Lagerfeuer sitzend besprechen. Die Stimmung - so wohlig es sich anhört - scheint jedoch auf einem Tiefpunkt angekommen zu sein. Wenn es so weitergeht, schläfert er uns vielleicht noch ein. Vielleicht schläft er sogar noch selbst ein.

Falls ihre Action-Karriere so weiter läuft. Sehen sie sich vielleicht demnächst sogar bei den „Expendables“ im Team?

Endlich ein erlösendes Lachen in der Runde.

Ich glaube nicht. Da ist einfach kein Platz mehr für mich drinnen. Das sind doch jetzt schon viel zu viele.

Würden sie immer noch das James-Bond-Angebot ablehnen?

Ich bin jetzt zu alt für James Bond und die haben im Moment einen super Darsteller dafür.

Das Lachen verstummt. Es wird wieder ruhiger im Raum. Ok, genug mit den soften Fragen. Versuchen wir mal etwas über sein Familienleben heraus zu finden.

Wie sie vorhin erzählten, haben sie in über 56 Filmen mitgespielt. Zwanzig davon in den letzten Jahren. Das ist ein immenser Output, wann haben sie mal frei? Wann Zeit für ihre Familie?

Zwischen den Filmen gibt es immer ein paar Monate Zeit. Ich meine an “Battleship” habe ich nur für 4 Tage gearbeitet. “Batman - The Dark Knight Rises” waren vielleicht 2 Stunden.

Waren sie mit dem Ende der “Batman”-Filme zufrieden. Wie fanden sie den Schluss?

Weisst du. Ich habe ihn nicht gesehen. Man hat mir erzählt, ich bin im Film.

Schauen sie ihre eigenen Filme nicht?

Doch schon. Aber “Batman - The Dark Knight Rises” soll wohl dreieinhalb Stunden gehen. Komm schon. Ich meine, dass ist es, was ich an den “Taken”-Filmen so mag. Die gehen nur 90 Minuten.

Er schnippst mit seinen Fingern.

Sie sind verdammt kompakt!

Die Gewalt stört sie nicht?

Ach. Ich bin Immun gegen solche Sachen. Das ist - leider - in unserer Kultur verankert. Und es ist auch nur Filmgewalt.

Dürfen ihre Söhne diese Filme schauen?

Ja, klar. Die finden das super.

Wie alt sind sie?

16 und 17 Jahre alt.

Was denken sie über ihren Action-Papa? Nehmen die beiden sie ernst?

Nicht ernst genug. Die sind jetzt aber in dem Alter, wo ich schon wissen will, was sie von meiner Arbeit halten. Natürlich auch in Bezug auf die “Taken”-Filme.

Und?

Sie sagen immer “Dad - das war okay!”. Das ist dann auch alles was man bekommt.

Ziehen sie die Arbeit an Liebesfilmen oder Actionfilmen vor?

Ich liebe es, beide Genres zu kombinieren.

Also Liebesszenen in Actionfilmen?

Da ist sie wieder, die berühmte Atempause. Doch plötzlich lächelt er und schwatzt drauf los.

Du meinst, ob ich auf Liebesszenen stehe? Es ist cool, aber auch immer ein wenig peinlich.

Weil so viele andere Leute dabei am Set mit rumstehen?

Ja, es ist irgendwie unbehaglich. Nächste Woche drehe ich einen Film mit Olivia Wilde und wir haben zwei oder drei Szenen in denen wir Liebe machen. Der Regisseur kam zu mir und meinte. “Nur damit du bescheid weisst, Olivia wird nackt sein”. Sie rennt einen Flur entlang, du wirst sie in der Szene von hinten anhimmeln. Ich schaute ihn an und sagte nur “super, das ist ausgezeichnet”.

Der ganze Raum lacht. Wenn es um Frauen geht, scheint er wieder ganz da zu sein. Die Stimmung ist auf ihrem Hochpunkt.

“Werden sie auch nackt sein?” ruft unsere Blondine ungeniert von der Seite in die Menge. Neeson grinst.

“Wir brauchen dich auch nackt”, erklärte mir der Regisseur. “Dude - mein verfickter irischer Arsch wird niemanden antörnen. Besonders nicht auf 35mm Kamera!” erwiderte ich und die Sache war gegessen.


Haben sie jemals daran gedacht nach Irland zurück zu ziehen?

Öhm. Ich weiss nicht.

Haben ihre Söhne eine Verbindung zu ihrem irischem Background?

Oh ja. Sogar richtig.

Sie haben mal gesagt, dass sie erleichtert sind, zwei Söhne zu groß zu ziehen, weil sie Angst hätten, Töchter zu haben. Stimmt das?

Ja. Bei Töchtern ist man einfach zu ängstlich und will sie zu sehr vor allem schützen.

Also wären sie schon wie ihr Film-Charakter in “Taken”?

Ja, nur ohne die ganze Gewalt. Mit Jungs ist einfach alles viel einfacher.

Das muss er wirklich wissen. Neeson ist nämlich in einem reinen Frauenhaushalt mit drei Schwestern aufgewachsen. Aufgelockert traut sich die Fragerunde nun auch ein paar ernstere Dinge an zu sprechen.

In den “Taken”-Filmen geht es unter anderem um zweite Chancen. Im ersten Teil, hofft Papa Bryan auf eine neue Chance sich seiner Tochter zu nähern. Im zweiten, will er seiner Ex-Frau wieder näher kommen. Glauben sie an zweite Chancen?

Wenn wir sie haben können…

Jetzt wird es wieder ruhiger im Raum. Er denkt nach. Auch gern ein wenig länger. Schaut in die Luft, spielt wieder an seinem Zahnstocher herum. Natürlich weiss er worauf wir hinaus wollen. Wer seine Shakespeare-Gesamtausgabe als eine von drei überlebenswichtigen Dingen nicht missen will, der weiss wie Drama funktioniert. Und sicher auch wie man ihm ausweicht.

Er stottert ein wenig. Blinzelt mit den Augen.

Ja. Ich glaube schon daran.

15 Jahre war Neeson mit der Schauspielkollegin Natasha Richardson verheiratet. Die Mutter seiner Söhne Michael (17) und Daniel (16) starb 2009 mit 45 Jahren nach einem Skiunfall an einer Gehirnblutung. Laut Neeson hat er den Tod nur überlebt, indem er davonlief und sich Hals über Kopf in Arbeit stürzte. Die gute Nachricht ist, 2010 verliebte er sich wieder in die 22-Jahre jüngere Freya St. Johnson. Mittlerweile hat er sich wieder gefangen.

Was meinen sie damit?

Im Theater zum Beispiel kann man acht Mal die Woche eine zweite Chance haben. Du verkackst etwas am Dienstag und am Mittwoch ist wieder alles bestens.

Und im echten Leben?
Nein, ich glaube dort nicht.

Gibt es trotzdem eine Situation, wo sie gerne eine dieser zweiten Chancen im echten Leben genutzt hätten?

Er murmelt die Frage noch mal leise vor sich hin.

Zweite Chance…

Er denkt nach.

Mir fällt nichts ein.

Also sind sie gerade fröhlich im Leben?

Zufrieden! Ich glaube nicht an Fröhlichkeit, ich glaube an Zufriedenheit.

Kein Glaube an Glück?

Nein, es kommt und geht. Es sind immer nur Momente.

Das war jetzt alles ein wenig erdrückend. Am besten wir kommen direkt wieder auf den Film zu sprechen um den es hier ja gehen soll.

Gab es gravierende Unterschiede zwischen dem Dreh vom ersten oder zweiten „Taken“-Teil?

Es geht. Die Franzosen arbeiten sehr schnell. Das mag ich.

Gucken sie denn selbst solche Filme?

Das ist eine gute Frage. Ich habe letztens “The Skin I Live In” gesehen. Dieser Almodovar-Film. Er war sehr gut.

Sie sind seit 2009 Amerikaner. Wie stehen sie zu den Wahlen?

Dazu will ich nichts sagen.

Wird es einen dritten “Taken” Teil geben?

Ich glaube nicht. Aber ich würde gern mal wieder in Berlin drehen. Ich meine Babelsberg sind die ältesten Filmstudios der Welt. Ansonsten vielleicht in Hongkong.

Eine der Pressefrauen stürmt in den Raum.„Letzte Frage!“ ruft sie in die Runde.
Interessieren sie sich für Einspielergebnisse, Zahlen und so was?

Ja schon. Also früher nicht so, aber jetzt, wenn mein Name so groß im Titel steht, da finde ich es schon sehr interessant. Ich bin nicht besessen davon, aber es ist schon wichtig.

Und dann ist auch alles schon wieder vorbei. Für ein paar Minuten war man Teil im Leben eines Hollywoodstars. Unsere Lieblings-Journalisten-Blondine bekommt ihr Foto, Liam Neeson bleibt brav am runden Tisch sitzen, wir werden gemeinsam aus dem Raum geleitet und vor der Tür wartet schon die nächste Reporter-Meute bewaffnet mit ihren Diktiergeräten in den Händen.

Text: Markus Breuer 

Siehe auch: "96 Hours - Taken 2"-Filmkritik...

Montag, 30. Januar 2012

62. Berlinale: Es gibt nur einen echten Kracher im Programm

Motherfucking Space Nazis in Iron Sky: 






Die lange, lange Produktionsgeschichte hat ein Ende und Iron Sky wird seine Premiere am 11.02.2012 im Programm des Panorama feiern. Am braunen Teppich vor dem Friedrichstadtpalast werden nicht nur der Regisseur und Udo Kier, sondern auch Götz Otto und Julia Dietze auf tauchen. 


Hier kann man versuchen Karten zu ergattern... 




Sonntag, 27. Februar 2011

Unknown Identity -- Movies set in Berlin!





Unknown Identity 
2011


Liam Neeson wütet ohne Gedächtnis durch die Hauptstadt. Das noch interssanteste an diesem müden "Bourne"-Abklatsch, ist die Tatsache, dass auch hier wieder in Berlin gedreht wurde. Verfolgungsjagden auf der Friedrichstrasse, Unfälle auf der Oberbaumbrücke und ein Drittel der Handlung verfrachtet ins Adlon. 


Viel interessanter sind da die weniger nervenraubenden Szenen, hier brachten die Location-Manager Neeson und Co. in süffige Friedrichshainer Hinterhöfe und Seitenstrassen im Rotlicht-Milieu. Nicht nur das die Berliner-Graffiti-Kunst, die Schauspieler immer im Hintergrund verfolgt, verblüffend oft unterhalten sich die Hauptdarsteller miteinander, während ein klar, sichtbarer "OZ"-Tag an den Wänden, Bushaltestellen und Hausfluren herumlungert. Street-Art-Product-Placement? 


War einer der Locationmanager ein Freund des Hamburger Strassenkünstlers, von dem zur Zeit sogar eine Ausstellung in der Hansestadt zu bewundern ist? Oder ist der schmächtige 60-Jährige so aktiv gewesen, dass er einfach durch Zufall in so vielen Szenen mit seinem "oz" zu bewundern ist? 


Man weiss es leider nicht. Es scheint fast so, als hätte sich Oz als heimlicher Darsteller mit in den Thriller geschlichen. Doch irgendwie arg offensichtlich sind die Sichtungen seiner Kunst. In einigen Szenen ist es der einzige Tag im Hintergrund. Oft lukt das Oz genau zwischen den Köpfen der Protagonisten hervor, wird in einigen der weniger vorteilshaften Positionen immer noch mal besser uns Bild gerückt und taucht wirklich verblüffend oft auf. 


Vielleicht handelt es sich sogar um ein Plagiat? Oz selbst kämpft gerade wieder mit dem Staat, Richtern und Anwälten um seine Freiheit. Ob er weiss, dass es da ein Hollywoodfilm gibt, der seine Kunst in der ganzen Welt bekannt machen könnte? Na ja, im Endeffekt, sind es ja auch nur ein paar daher gekrakelte Buchstaben, den Mann dahinter kennen nicht viele. 


Fotos: 













Und weil das schönste an "Unknown" Berlin ist, hier ein paar internationale Klassiker. Gedreht in der Hauptstadt. 


Für alle Lokalpatrioten: 


1965 THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD 
Dokumentiert eindrucksvoll die ersten Mauertoten. 





1966 THE QUILLER MEMORANDUM
Agenten in Berlin, ja die gab es auch schon in den Sechzigern. 





1966 TORN CURTAIN 
Auch Altmeister Hitchcock zog es schon zum Arbeiten in die Hauptstadt und Paul Newman zum Flughafen Schönefeld. 





1966 FUNERAL IN BERLIN 
Michael Caine als Agent Harry Palmer und die Stadt sogar im Titel.





1972 CABARET
Auf zum Anhalter Bahnhof und auf zu einer Zeitreise ins Berlin der Dreißiger Jahre. 





1988 HELSINKI NAPOLI ALL NIGHT LONG
Ein schwedischer Film Noir aus Berlin? Ja, gibt es...





1981 POSSESSION
DER Berlin-Film schlechthin. Sam Neill und Isabella Adjani in einem Psychoduell aus dem Kreuzberg der geteilten Hauptstadt.





1982 DER SÖLDNER
Ken Wahl, Kinski und Glickenhaus. Sleazige Söldner-Action mit einigen, wenigen Berlin-Szenen. 





1982 NIGHT CROSSING
Ost/West Actioner.





1983 JAMES BOND - OCTOPUSSY
Bond in der DDR.





1985 DEMONI
Dämonen im Metropol-Theater am Kudamm und in der U1. Yeah! 





1985 WILD GEESE II
Die Wildgänse in der Hauptstadt





1992 DER KLEENE PUNKER
Berlin -- gezeichnet!





2001 SPY GAME
Brad Pitt und Robert Redford in the city! Und schon wieder Spione! 





2001 ENEMY AT THE GATES
Komplett in Babelsbeg gedreht.





2002 RIPLEY'S GAME
John Malkovich auf'm Gendarmenmarkt.





2002 DER PIANIST 
Adrian Brody, Polanski und Oscars, viele Oscars.





2004 AROUND THE WORLD IN 80 DAYS
Jackie Chan in Paris. Nein, moment am Gendarmenmarkt! 





Rest folgt...

Donnerstag, 3. Februar 2011

Gutes Programm: Die Fantasy Filmfest Nights





Am 19. + 20. März ist es wieder soweit. Die Fantasy Filmfest Nights stimmen für das Festival im August ein und bieten dieses Jahr ein paar echte Knaller. Kultregisseur Takashi Miike's neues Schlachtplatte wird genauso gezeigt, wie ein Film, dem Venedig-Jurypräsident Quentin Tarantino so gut fand, dass er ihm 2 Preise geben musste. Trolle, Kannibalen, Serienkiller, alte Bekannte und sogar ein 3D Film. Hier sind die Trailer:


Burke and Hare: 
Altmeister John Landis und sympathisch, komische Massenmörder gleich Kultverdacht. 





I Saw The Devil
Ultrastylischer Korea Slasher von "Bittersweet Life"-Regisseur Ji-Woon Kim. Bleibt zu hoffen, dass die internationale Version gezeigt  wird in der man Zeuge eines Serienmörders ist, der seine Opfer nicht nur genüsslich tötet, sondern auch verpeist. 





Thirteen Assassins
Takashi Miike's neuester Streich, Remake eines Samurai-Streifens aus den 70iger Jahren. 





Essential Killing
Der Film den Tarantino gleich mit 2 Preisen überhäufte.





Schlock-Remakes:

Erstaunlich auch wie raffiniert zwei in Deutschland streng verbotene Retro-Schocker in die Neuzeit gebeamt werden konnten: SAW-Spezialist Darren Lynn Bousman zieht mit seinem Remake von MOTHER´S DAY alle Ekel- und Fiesheitsregister und lässt Rebecca De Mornay in einer Wahnsinns-Performance glänzen.
Und auch die junge Sarah Butler ist im Reboot von I SPIT ON YOUR GRAVE mitnichten unterzukriegen und startet einen Rachefeldzug gegen ihre Peiniger, der (autsch) tief unter die Gürtellinie zielt.









The Hole 3D
Joe Dante goes 3D...





The Troll Hunter
Ja, ja die Norweger! Eine herrliche Komödie mit Trollen ; )