CELEBRATING AN UNUSUAL DAY:
Freitag, 13. Januar 2012
Dienstag, 3. Januar 2012
Gesichtet: Sleep Tight
Sleep Tight
OT: Mientras Duermes
Spanien 2011
Filmstart: 29.03.2012
Wie abgrundtief böse kann ein Filmcharakter sein? Wie dunkel können die Geheimnisse eines Filmbösewichts sein und wie grausam kann man all dieses Elend inszenieren? Regisseur Jaume Balaguero kreiert mit Spaniens Schauspielstar Luis Tosar als Misanthrop César den ultimativen Antagonisten. Eloquent, adrett gekleidet, freundlich, zurückhaltend und zu einem gewissen Grad auch bemitleidenswert.
Und dennoch wünscht man sich César würde vom Hochhaus-Dach springen, wenn er in seinem fast täglichem Ritual auf die Brüstung steigt und sich das Leben nehmen will — die Welt wäre ohne ihn doch viel besser. Fast täglich? Ja, César hat ein ernsthaftes Problem: Er ist traurig und kann einfach nicht fröhlich sein.
Das einzige was den Concierge ein wenig aufheitert und seinem Leben einen Sinn gibt, ist das Leid anderer. „Ihr scheiß Lächeln, werde ich ihr noch austreiben“ flüstert er seiner am Inhalator hängenden Frau Mama auf dem Krankenhausbett ins Ohr. „Ob er dieses Mal wohl übertrieben hat?“ fragt er die kranke Mutter. Plötzlich schiessen ihr Tränen ins Gesicht. Man kann nur erahnen, was ihr sadistischer Sohnemann wohl verbrochen haben muss, dass sie so röchelnd auf dem Sterbebett dahin siecht.
Zurück ins luxuriöse Wohnhaus mit seinen reichen Mitbewohnern. Da wäre eine ältere, allein lebende Dame, die ausser ihren Hunden nicht viele Freunde hat. Ihr Leben ist ohnehin schon schlecht genug, den Hausbesitzer macht man schon fertig, wenn seine Blumen auf dem Dach nicht richtig gegossen werden, nur die wunderschöne, dauer grinsende Clara wacht einfach nie mit schlechter Laune auf. Da muss nachgeholfen werden. Was wie ein böser Jungenstreich beginnt, wird mit der Zeit immer radikaler, intriganter und endet in einem subtilem Blutbad. „Rec“—Regisseur Jaume Balaguero spielt immer wieder mit unseren Erwartungen, zieht sogar ein minderjähriges, „Hardcore-Porno“ geiles Mädchen mit in die dunkle Geschichte und setzt immer wieder einen drauf, wenn man denkt das schlimmste wäre schon erreicht. „Sleep Tight“ entpuppt sich als waschechter Horror-Geheimtip für 2012.
Und auch im richtigen Leben sind sich die beiden Hauptdarsteller nicht unbekannt. Luis und Marta spielten seit 2002 schon in 6 Kinoproduktionen mit und sind schon lange ein Paar. Für den Film „Cell 211“ wurden beide mit dem spanischen Oscar, dem Goya, ausgezeichnet, er als Hauptdarsteller und sie als Nebendarstellerin.
Luis tourt nebenbei noch mit seiner Band „The Ellas“ durchs Land und man mag für Marta nur hoffen, dass der charismatische Schauspieler keine von Cesars Eigenschaften nach Drehschluss mit nach Hause nimmt.
TRAILER:
80%
Montag, 2. Januar 2012
Gesichtet: Revenge A Love Story
Revenge: A Love Story
OT: Fuk Sau Che Chi Sei
HK: 2010
90 Minuten
Darsteller: Juno Mak, Sola Aoi, Tony Ho
Regisseur: Ching-Po Wong
China und Japan haben bekanntlich nicht gerade die friedlichste Beziehung zueinander, doch die Kunst überwindet jede noch so große politische Grenze: In REVENGE A LOVE STORY trifft ein, im echten Leben, chinesischer HK-Pop-Superstar auf eine japanische Kult-Pop-Art-Porno-Schnecke.
Wer sich jetzt denkt: "Moment -- den kenne ich doch." Klar, Juno Mak kennt man von Hong Kongs Pop-Musik-Bühnen:
Und wem Sora oder Sola Aoi bekannt vor kommt, der erinnert sich an sie wohl auch eher in solchen Posen:
Hach ja -- es knisterte von Anfang an bei den beiden Turteltäubchen. Das ist auch in den nicht ganz so drastischen Szenen ihres gemeinsamen Cat III Actionkrachers zu sehen. Mak spielt den schüchternen Imbißverkäufer und Aoi die etwas zurückgebliebene Dorfschönheit die vor den Augen ihres Freundes von dem kompletten Hinterwäldler Kleinstadtbullen-Revier vergewaltigt wird. Schon lange sind die Bösewichte nicht mehr in der sozialen Unterschicht oder bei Migranten zu suchen. In den Filmen des neuen Jahrtausends ist es der Staat, der seine Killer los schickt, die großen, multinationalen Konzerne, die Frauen und Kinder ermorden lassen oder eben die eigene Staatsmacht die verteufelt wird. Natürlich schreit die Vertuschung der radikalen Vergewaltigung nach Rache und die kommt ultra hart und blutig daher.
70%
Sonntag, 1. Januar 2012
Montag, 14. November 2011
Ein Chinese zum Mitnehmen --> Oder verdammt schlechte Deutsche Filmtitel!
Guter Film → Scheiss Titel.
„Zwei mal Chinese zum mitnehmen“: Wer diesen Satz in den Armen seiner Freundin, oder nebst seinen Kumpels, ohne ihn in den eigenen Bart zu murmeln oder sich dabei unendlich scheisse vorzukommen, im Januar am Ticketcounter des Kinos seiner Wahl, aufsagen kann, der steht vor der armen Kino-Mitarbeiterin entweder unter Einfluss von Alkohol oder sonstigen Drogen. Was sich der Verleih bei der Übersetzung des original argentinischen Titels „Un Cuento Chino“, der ein Sprichwort beschreibt, dass soviel wie „eine erfundene oder unglaubliche Geschichte“ oder am ehesten noch mit „Das kommt mir spanisch vor“ zu vergleichen ist, gedacht hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Aber auch die hiesigen Marketing-Damen und Herren scheinen den Konsum von Substanzen die laut Betäubungsmittelgesetz eher illegal ein zu stufen sind, nicht abgeneigt zu sein. Wenn man sich das offizielle Deutsche Poster zum Film ansieht, gibt es noch viel mehr solcher Sprachentgleisungen zu bewundern. Nicht nur der Titel, nein auch der geschmacklose Untertitel „Eine süß-saure Komödie“ grenzen schon fast an Rassismus. Man stelle sich nur einen Berliner Chinesen vor, der von dem 2012er Oscarkandidaten in irgend einem anderen Land gehört hat, vll. sogar von argentinischen Nachbarn im Nebenhaus und nun zum Deutschlandstart ins Kino gehen will.
Welcher Chinese traut sich bitte, ob alkoholisiert oder sonst wie benebelt, an den Ticketcountern seines Multiplexes nach einer Karte seines Wunschfilmes zu fragen? Die einzigen die Spaß an solchen Dingen haben, werden wohl gelangweilte Neonazi-Gruppen sein, die dann aber nach der Sichtung des Films, wenn sie denn so lange aushalten, enttäuscht den Saal verlassen und süß-sauren Schabernack in ihrem Viertel aushecken. Wenn die niederen Sinne und Erwartungen nicht erfüllt werden, brennen die Nudelbuden. Ein Schreckensszenario, dass solch Marketing und Verleih-Profis aus den schnieken Agenturen in Mitte natürlich nicht vorhersehen konnten. Sie waren zu sehr damit beschäftigt aus Filmen wie „The Pope Must Die“ → „Ein Papst zum Küssen“ zu machen.
Ach ja. Ansonsten ist "Ein Chinese zum mitnehmen", der das einsame Leben eines kauzigen Misanthropen zeigt, welcher wiedererwartend einen obdachlosen Chinesen bei sich in der Wohnung aufnimmt, äußerst sehenswert.
Filmstart: 05. Januar 2012
Solche Szenen, die der Titel, die Untertitel und die Aufmachung des Plakates versprechen, werden nicht geboten und damit sollte doch spätestens seit "Breakfast at Tiffanys" auch schluss sein:
Geboten wird auf jeden Fall skurille Filmkost mit einer Priese schwarzen Humor!
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Gesichtet: "Anonymous"
Anonymous
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, David Thewlis
Kinostart: 10. November 2011
130 Minuten
Sony Pictures
Säufer, Hurenliebhaber und Analphabet — Ja, der echte William Shakespeare kommt in Roland Emmerichs „Anonymous“ nicht allzu liebenswert weg. Der echte? Genau, hier dreht sich alles um die Frage ob der bärtige Barde von Stratford-upon-Avon wirklich das Genie hinter der Geschichte des tragischen Lebens von „Hamlet“, der Liebe Romeos oder des blutigen Schaffens von König Heinrich V im Hunderjährigen Krieg ist. Tatsächlich weiß man ehrlich gesagt recht wenig über diesen Mann. Er war wohl der Sohn eines gänzlich ungelehrten Händlers und hatte seine akademische Ausbildung nur in einer Dorfschule. Tja und abgesehen von den Stücken die überliefert sind, gibt es keinerlei Manuskripte, Briefe, Tagebücher oder Gedichte die ihm zugeschrieben werden können.
„Anonymous“ gibt nun eine mögliche Antwort, verschachtelt in einer Komplexen Geschichte über Verrat, Freundschaft, Leidenschaft und Loyalität. Alles hinter dem Vorhang des Theaters der Londoner Bühne, versteckt hinter einer Liebeserklärung an Shakespeares Ouvre und angesiedelt im politischen Durcheinander des elisabethanischen Englands. Außerdem ist der Streifen auch einfach mal eine andere Herausforderung für den gebürtigen Stuttgarter Regisseur. Kein Budget von hunderten Millionen von Dollars, Emmerich musste sich bei den Dreharbeiten in und um Berlin mit schlappen 30 Millionen zufrieden geben.
Wortkarg, waren sie eigentlich immer — seine Charaktere. Alles oft recht emotionslose Statisten in bunten Weltuntergangs-Knallbonbons. Spaß hatte man trotzdem. Ob in dem düsteren No-Future-Szenario von „2012“, der Alieninvasion von „Independance Day“ oder dem Säbelzahntigerkampf in „10.000 BC“ — okay, bei dem vielleicht dann doch nicht. Trotzdem, es war immer die Zerstörung, die es Emmerich angetan hatte. Dialoge? Egal! Hauptsache es fliegt alle paar Minuten was in die Luft. Jetzt reden seine Charaktere viel miteinander. Ja, sie sprühen förmlich vor aufbrausenden, gigantischen Dialogblasen. Plötzlich füllt Emmerich eine Welt mit Leben anstatt es zu nehmen. Eine längst vergangene, aber durchaus vitale Welt. Sie strotzt geradezu voller Spielfreude, voller Musik, malerischen Sets und detailverliebten Kostümen. Ja, es ist das erste Mal, das er etwas kreiert und nicht vollkommen zerstört.
Die Frage nach der wirklichen Identität Shakespeares ist da die spannendste der vielen Geschichten die erzählt werden, wenn sich der einfältige Schauspieler William Shakespeare für seine nicht selbstverfassten Stücke vom Publikum wie ein historischer Rockstar feiern lässt, während sich der Graf von Oxford (der der wirkliche Urheber der Kulttheaterstücke sein soll) auf den Zuschauerrängen windet, weil er nicht zu seiner eigenen Poesie stehen darf, beweist Emmerich ein wundervolles Händchen für eine großartig, einfältige Inszenierung.
Da hätte es nicht gestört, vielleicht den einen oder anderen Royal-Soap-Skandal besser unter den Tisch zu kehren, obwohl alle Akteure hier mit Rhys Ifans, Vanessa Redgrave oder Rafe Spall eine Glanzleistung abliefern. Und auch wenn man das Lichtspielhaus erst etwas verwirrt und vollgepackt mit Informationen verlässt. Mit der Zeit weiß man, das man es mit gutem Kino zu tun hat, es wächst das Interesse für das Thema und die Anerkennung für eine Regie-Leistung, die man eigentlich nicht erwartet hatte. Genau wie ein guter Wein, muss „Anonymous“ erst mal ein wenig im eigenen Geiste reifen, bis er seine kompletten Aromen entfaltet und als das angesehen wird, das er ist: Ein wirklich guter Kostümfilmblockbuster.
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