Donnerstag, 20. November 2014

Gesichtet: "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1"


Die Tribute von Panem - Mockingkay Teil 1

USA 2014 
Regie: Franics Lawrence 
Darsteller: Jennifer Lawrence, Woody Harrelson, Philip Seymour Hoffmann, Julianne Moore 

Laufzeit: 123 min. 

IMDB-Link 

Boxoffice Infos

Deutsche Filmseite 









Die ersten beiden Teile der "Hunger Games"-Serie waren knallbuntes Popcorn-Kino mit sozialkitischen Untertönen. Schrille Kostüme, die so aussahen als wären wir in einem mulitmillionen Dollar teuren Universum einer niemals enden wollenden Transenparty gelandet. Und sadistische Spiele unter Teenies, die wie bei dem japanischen Schlachtfest "Battle Royale" tödlich enden können. Alles hinter der Kulisse eines totalitären Staates, der sein Volk unterdrückt. Nun, im mittlerweile dritten Teil, Teil 1 der Saga ist alles anders. Der Grundtenor ist um einiges düsterer, die Sonne scheint überhaupt nicht mehr, wir sind mit der Revolution im Untergrund angekommen. In den ersten Sekunden des Films, hievt sich Jennifer Lawrence alias Katniss Everdeen unter Tränen aus dem Krankenbett des Rebellen-Unterschlupfs um sich anschliessend durch den Film zu kämpfen. Sie wird in den folgenden zwei Stunden öfter weinen, sie wird Ansprachen halten, als Propaganda-Gesicht missbraucht werden, immer wieder mit ihren Emotionen zu kämpfen haben und dabei eine wirklich gute Performance abgeben.



Eine großartige Schauspielerin, so gut, dass ihre Teenie-Kollegen daneben so blass und grau wie das Setting wirken. Einzig und allein Woody Harrelson kann da noch etwas aus seiner Rolle heraus holen und eventuell noch Elizabeth Banks, die für die wenigen belustigenden Augenblicke des deprimierenden Streifens mit an Bord ist. Philipp Seymour Hoffmann, Donald Sutherland, Julianne Moore und Co. haben einfach zu wenig Screen-Time um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und so müssen sie eben weisse Perrücken tragen um irgendwie im Gedächtnis zu bleiben. Weil die ersten beiden Buchadaptionen weltweit mehr als 1.4 Milliarden Dollar eingespielt haben und Filmstudios von geldgierigen Anwälten geführt werden, wurde das letzte der Bücher in zwei Filme aufgeteilt. Genau wie bei "Twilight", dem "Hobbit" oder "Harry Potter" merkt man das natürlich auch. Viel zu langgezogen wirkt der Streifen, der eigentlich nur dafür da ist um den Spannungsbogen zum nächsten Film zu dehnen.



In der dargestellten dystopischen Zukunft fühlt man sich wie in dem verwirrten Kopf einer Klischeeversion eines Hollywood-Gothik-Teenies, dass sich ständig ritzt, sich in schwarze Klamotten einhüllt, in der Schule gehänselt wird und Abends heulend im Bett liegt. Es gibt Szenen, wie den Rettungsversuch einer Katze, der in letzter Sekunde klappen muss, die wirklich keinen Sinn machen. Dann wiederum Momente in denen der Film einfach anhält. Sich von den Anstrengungen der Revolution und der schweren Blockbuster-Bürde auf seinem Rücken ausruhen muss. Dann sitzt Katniss vor einem See, beobachtet die Vögel und fängt an in bluesiger Stimme einen Song anzustimmen, der sich wie ein roter Faden durch die nächsten Szenen zieht. Unheimlich poetisch.



Wer sich in die langen Schlangen der Multiplexe stellt und ein Bayham-Explosions-Schlachtfest erwartet, der wird enttäuscht sein. Es gibt große Set-Pieces wie die Sprengung eines Staudamms oder einen Luftangriff. Aber eigentlich werden nur die Weichen für ein größeres Spektakel gelegt. Am besten als Double Feature 2015 mit "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" schauen.

Pressekonferenz nach der Premiere: 



60%

Text: Markus Breuer 
Fotos: Promo

Sonntag, 9. November 2014

Gesichtet: Interstellar


Interstellar 
 
USA 2014
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Michael Caine, Jessica Chastain

Laufzeit: 169 Minuten 

IMDB-Link

Boxoffice Infos
 

Deutsche Filmseite 









Auf Regisseur Christopher Nolan lastet ein immenser Erfolgsdruck: Mit “Inception” hat der gebürtige Brite das Unterbewusstsein in einen Actionthriller verwandelt, in “Memento” die Regeln der Erzählstruktur auf den Kopf gestellt und mit seiner “Dark Knight”-Trilogie 2.5 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Nolan ist einer von sehr wenigen Regisseuren, die in Hollywood eine Wildcart besitzen, nicht viele können in ein Meeting mit erfolgsorientierten Studiobossen gehen und mit 200 Millionen Dollar wieder raus kommen. Doch für die mächtigen Studios, muss sich die Investition auch rechnen. Trotzdem: Wenn es ihm in den Sinn kommen würde, könnte er das Telefonbuch verfilmen. In 3 Teilen. A - H, I - K und L - Z. Budget? 1 Milliarde! Wieso eigentlich nicht. Was macht er aber nach seinem „Batman“-Superhelden-Hit? Etwas was sich kaum noch jemand in Hollywood traut. Während gängige Blockbuster jenseits der 100 Millionengrenze auf mindestens zwei gleich große Fortsetzungen, eine Videospieladaption und unzählige Spielzeug-Verträge ausgelegt werden, auf Bestseller basieren sollten oder nur weitere Fußabdrücke der Prequel, Sequel & Remake-Manie sind, hat sich Chris Nolan für eine originelle Science Fiction Story entschieden. Und nicht nur das. Mit Physikprofessor Kip Thorne als Koproduzent, der als Berater mit am Drehbuch schrieb und seine Theorien mit einfließen ließ, geht die Tendenz eher in Richtung Science als Fiction. 

Lassen wir Kip seine Raumtheorie mal selbst erklären... 

Doch taugt das 3 stündige „Interstellar“ Astrophysikseminar überhaupt was? Oh ja! Während einen Wurmlochtheorien, Singularitäts-Hypothesen & schwarze Löcher um die Ohren fliegen, ist der Exkurs ins Weltall durch die Beziehungen der Hauptdarsteller sehr emotional auf unseren Heimatplaneten geerdet und nicht nur obligatorisches Deepspace-Eye-Candy.



Das epische Abenteuer startet in einer Zukunft, die wie unsere Vergangenheit daher kommt. Maisfarmer Cooper (wer braucht schon einen Vornamen) lebt mit seiner Familie im verstaubten Amerika. Die Nahrung des einst so ergiebigen Planeten geht Zuneige und so langsam muss sich die Menschheit wohl auf ihre Ausrottung gefasst machen. Die Holzhütten-Farm, die Mode der Protagonisten (Holzfällerhemden und Jeans), verstaubte Bücher im Wohnzimmer. Man fühlt sich als würde man in den dreißiger Jahren aufgewacht sein, im ersten Drittel fällt kaum auf, dass der Streifen einige Jahre in der dystopischen Ferne spielt. Doch, das ist natürlich pure Absicht. Holen wir zum besseren Verständnis ein bisschen weiter aus. 

Amerika in den 30iger Jahren. Quatsch! In der nicht allzu fernen Zukunft...

Irgendwann im Frühjahr 2013, nach einer stundenlangen Autofahrt durch die unendlichen Weiten der isländischen Gletscher- und Berglandschaft, stand Regisseur Christopher Nolan mit seinem Team an einem See. In der ferne schimmerte ein Fels empor und das Filmteam versammelte sich am Wasserrand. Plötzlich zog sich der Brite die Schuhe aus und watschte durch das matschige Nass gen Felsvorsprung. Seine Crewmitglieder, darunter Cinematographer van Hoytema („Let The Right One In“, Nachfolger von Kollege Wally Pfister, der sich mit der Sci-Fi-Gurke „Transcendense“ in den Regiestuhl verabschiedet hat und damit nicht mehr Nolans Nummer eins in Sachen Bildgestaltung ist) guckten sich verdutzt an. Was hat der vor? Wo will er hin? Egal, auch sie zogen alle ihre Schuhe aus und folgten ihm. Genauso wie wir uns jetzt Nolans Abenteuer im Weltraum anschliessen werden. Was hat er vor? Wenn bei einem Baseballspiel plötzlich eine gigantische Sandwolke gen Sportplatz weht. Die aus dem Untergrund agierende Nasa einen Plan ausheckt um die Menschheit zu retten und Matthew McCounaghey ein Raumschiff Richtung Schwarzes Loch steuert. Eins ist klar, unsere Aufmerksamkeit hat er und viele Nolan-Jünger werden ihm folgen. Der isländische Fels war dem Regisseur übrigens zu klein und so zog er mit seiner Crew weiter. Doch, wie kam es zu diesem Ausflug?



Nolans Reise in die Galaxis startete mit seinem Bruder Jonathan. Der werkelte schon seit ein paar Jahren für Paramount Pictures an einem Drehbuch, dass Kip Thornes Theorien über den gekrümmten Raum und die verbogene Zeit in einem epischen Projekt auf die große Leinwand hieven sollte. Im Regiestuhl? Steven Spielberg! “Ich wollte den Film starten lassen wie einen Spielberg Film der frühen Achtziger. Aber nicht wie damals, sondern wie er heute aussehen würde” verriet Nolan im Empire Magazine und würdigt damit den eigentlichen Regisseur. Der hatte sich anderen Aufgaben gewidmet und gönnte sich unter anderem einen Ausflug nach Berlin. Dort spaziert Spielberg gerade mit Tom Hanks durch Mitte, da bald die Berliner Dreharbeiten für einen Agententhriller anlaufen, der sich um den Gefangenenaustausch an der Glienicker Brücke dreht. Es musste also jemand anderes für die unendlichen Weiten des Weltraums gefunden werden. Jonathan erzählte seinem Bruder von dem Drehbuch und der hatte gleich ein paar neue Ideen für das Skript. Den ersten Teil ließ er in dem Spirit, doch sobald es in den Weltraum geht, sind wir in Nolans Kopf angekommen. Worum geht’s? Keine geringere Aufgabe als die Rettung der Menschheit wird einer Handvoll Leuten übertragen.





Doch bevor die Rakete mit Anne Hatheway, Matthew McConnaughey (dessen Charakter Cooper eine Anspielung auf Testpilot und Nasa-Flugpionier Gordon Cooper ist, der als einer der ersten Astronauten in die Erdumlaufbahn geschossen wurde) und David Giyasi an Bord die Erde verlassen konnte, musste Nolan noch einen guten Freund um Rat fragen. Als er Über-Komponist Hans Zimmer konsultierte, war der gerade dabei, den neuesten Supermanfilm zu vertonen. Die unkonventionelle Anfrage? 


"So, Hans, if I wrote one page of something, didn’t tell you what it was about, just give you one page, would you give me one day of work? Whatever you came up with on that one day would be fine!"

Zimmer sagte zu und hatte ein paar Tage später einen Umschlag in seinem Briefkasten. Mit Schreibmachine getippt. Auf dem Papier stand eine Kurzgeschichte über einen Vater, der sein Kind aufgrund eines wichtigen Jobs verlassen muss. Einen Tag später ließ der Komponist wissen, er wäre soweit. Nolan war gespannt. Setzte sich in sein Auto und fuhr direkt los. Angekommen spielte Zimmer den Track vor, drehte sich um und sah Nolan in seinem Bürostuhl sitzen. “Jetzt muss ich den Film machen” sagte er überzeugt. “Klar, aber was für einen Film” wollte Zimmer wissen. Dann fing er an diese ganze Geschichte über die Rettung der Menschheit, den Weltraum, die Theorien etc. zu erklären und Zimmer antwortete: “aber ich hab dir doch nur ein kleines, sehr persönliches Stück geschrieben”. “Ja, aber jetzt weiss ich wo das Herz des Films ist”. Das Herz, das ist Coopers Tochter Murph, die auf der von Tag zu Tag immer unbewohnbareren Erde zurückgelassen wird, als es für die „Interstellar“-Astronauten Richtung deep space geht.


Per Nolan in die Galaxis: Hier mit seinem Hauptdarsteller am Set...


Auf der Suche nach einem Ersatzplaneten und getreu dem Grundsatz von Murphys Law, geht alles was auch nur auf dem Trip schiefgehen kann, natürlich wirklich schief. So knallbunt wie die gängigen Superhelden-Sagen wo es sonst um die Rettung der Erdenbewohner geht, ist Interstellar jedoch nicht, doch Nolan traut sich viel. Von Überraschungen bei der Auswahl seiner Nebendarsteller, einer gigantischen Explosion im All bei dem er die Soundeffekte stumm stellt, auf der einen, und einem glockenhellen Hans-Zimmer-Bombast-Soundtrack auf der anderen Seite. Schnelle MTV-Ästhetik sucht man vergebens, jede noch so kleine Szene ist bis ins Detail ausgearbeitet und keiner der zahlreichen Effekte wurde im Greenscreen gebastelt. Von Erdähnlichen Planeten, über gigantische schwarze Löcher und allem was wir auf dem Spaziergang ins All noch begegnen, arbeitete Nolan am Set mit Hochleistungs-Beamern, die den Weltraum und die interstellaren Sterne und Planeten direkt an die Studiowand holten.



Ob zum Saturn oder in eine komplett andere Galaxie. Die entstandenen IMAX-Bilder lassen den Zuschauer direkt an dem Spektakel teilhaben. Allerdings ist die 70mm Kopie auf der der Streifen gedreht wurde in Deutschland nur auf 2 Kinoleinwänden zu sehen. Eine davon im Berliner Sony Center. Alle anderen bekommen die digitale Imax-Version, die Nolan kurz vor dem Kinostart in eigener Aufsicht noch mal remasterte, vorgesetzt. Der Hype ist trotzdem kaum zu bändigen. Schon vor dem Dreh waren die Studios so wild auf die finanzielle Auswertung des Projekts, dass Warner Bros. zum Beispiel einen Deal mit einem eher unkonventionellem Tauschpaket abschloss. Warners Rechte an der Erfolgs-Slasher-Serie “Freitag der 13.” und die Schimpfmäuler von “South Park” wurden gegen die internationale Auswertung des Science-Fiction-Film getauscht. Mit der Prämisse, dass in den nächsten 5 Jahren "Freddy" + "South Park" Filme unter Paramount Pictures entstehen, bei dem "Interstellar" eigentlich exklusiv im Vertrag war. Ein so großes Potential und Vertrauen wird einem originellem Sci-Fi-Abenteuer nicht jeden Tag zugesprochen. Zumal der Film mit seiner Überlänge von knapp 3 Stunden und keiner Aussicht auf Sequels auf den ersten Blick nicht allzu große Chancen haben sollte. Irgendwie hat es Nolan aber geschafft seinen eigenen Namen als Qualitäts-Marke zu etablieren und nach „Inception“, der gigantische 800 Millionen einspielte, will Warner ein Stück vom Kuchen ab haben.



Getauscht: Paramount hat jetzt die Rechte an Freddy und Cartmann & Co.


Doch, wobei „Inception“ noch mit wilden Verfolgungsjagden durchs Unterbewusstsein, zumindest für die jüngere Generation, ausreichend Action bot, verlangt der viel ernstere „Interstellar“ sehr viel Aufmerksamkeit von seinem Publikum. Nach dem Presse-Screening fühlten sich viele der Journalisten etwas „lost in space“ nachdem sie den Physik-Theorien nicht immer folgen konnten, während andere von den emotionalen Teilen der Geschichte überrumpelt wurden. Nicht jeder wird einen Zugang in die Story finden. Neben der Physik, nimmt sich "Interstellar" viel Zeit für philosophische Grundsatzfragen. Wie stark ist unser Überlebensdrang? Ist der größte Feind der Menschheit, nicht der Mensch selbst? Wie stark bindet Liebe? Eine Mammut-Aufgabe für einen Science-Fiction-Film die es schaffte den einen oder anderen eine Träne zu entlocken, wobei andere die emotionale Ebene zu kitschig und unausgereift fanden. Dennoch, manchmal scheint sie in den frühen Minuten des Films hervor, diese Spielberg-Magie und man fragt sich, was wohl der eigentliche Regisseur aus dem Stoff gemacht hätte. Mit den Klassikern des Altmeisters, kann sich Nolans Space-Oper trotzdem nicht messen, sie ist einfach zu Erwachsen. Das muss nicht schlecht sein, wenn ein Multimillionen-Hollywood-Blockbuster auch mal den Kopf der Rezipienten anstrengt. 

Doch sind die Synapsen der potentiellen Zielgruppe mit schnellen, wirren Schnitten und explodierenden “Bayham”-Konfettibomben noch so arg belastet, dass nach dem Abspann, zwei von fünf Leuten eher gähnend den Saal verlassen werden und nicht wissen was in diesen 169 Minuten-Abenteuer eigentlich alles passiert ist. Echauffieren kann man sich auch an der Tatsache, dass das Wohlergehen der Menschen mal wieder ausschließlich von einer Handvoll Amerikaner abhängt. Es scheint fast so, als würde die komplette Menschheit nur in dem vom Kolumbus entdeckten Areal auffindbar sein. Asien, Europa oder gar Südamerika wirken gespenstisch abstinent. 



Auch eine uramerikanische Institution scheint sich groß in die Ideen und Handlungsstränge des Films eingekauft zu haben. Streckenweise erscheint die Handlung wie ein Hilferuf der Nasa, die in den letzten Jahren nicht nur immer wieder mit Budgetkürzungen zu kämpfen hat, sondern oft schon durch private Firmen in ihrem Pioniergeist überflügelt wurde. Hört her, scheinen die Nasa-Mitarbeiter zu rufen: Gebt uns mehr Geld. Hört auf nur die Menschen zu ernähren, lasst sie auch mal wieder Träumen. Wir sind die Institution auf der sterbenden Erde, die eine Idee zu eurer Rettung hat. Auch ohne Budget, verbannt im Keller, sind wir trotzdem die Einzigen, die euch Retten können. Retten will Nolan auch sein geliebtes Filmformat. Während ein Großteil der Regisseure dieser Erde nur noch mit digitalen Aufnahmegeräten arbeitet, belichtet er immer noch das sterbende 35mm-Format. Ob es ihm seine Fans und Zuschauer honorieren werden, steht in den Sternen. Die ersten Boxoffice-Zahlen sind dem Hype entsprechend eher mäßig zu bewerten. Knappe 50 Millionen wird das Epos in den Staaten am ersten Wochenende einspielen. Die Kritiken sind gemischt, die Bewertungen der Zuschauer auch. Vielleicht hat der immer wieder als neuer Kubrick gepriesene Regisseur sich ein wenig übernommen. Vielleicht nicht. Die Zeit, wird es uns verraten.



Die komplette Pressekonferenz nach der Premiere in London: 



"FOX 5"-Interview mit Nolan zu Interstellar: 



"The Empire Film Podcast": Interstaller [Spoilers] 



Eyes on Cinema Interview mit Christopher + Jonathan Nolan, Jessica Chastain und Anne Hathaway 



80%


Text: Markus Breuer 
Fotos: Warner Bros.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Gesichtet: A Walk Among the Tombstones

A Walk Among the Tombstones
Dt: Ruhet in Frieden

USA 2014
Regie: Scott Frank
Darsteller: Liam Neeson, Dan Stevens, David Harbour

Laufzeit: 114 Minuten 

IMDB Link


Boxoffice Link


Deutsche Filmseite: 

http://www.ruhetinfrieden-film.de/




Das hätte vor vor ein paar Jahren sicher niemand für möglich gehalten. Vor allem Liam Neeson selbst nicht. Mitte der Neunziger hat der gebürtige Ire das Angebot abgelehnt als James Bond in den Dienst ihrer Majestät zu treten. Er ist halt einfach nicht der Actiontyp! Pierce Brosnan übernahm. Und nun, mehr als ein Jahrzehnt später, waren es die Überredungskünste von "Leon der Profi"-Regisseur Luc Besson, die alles änderten. Als Neeson 2008 in die toughe Haut des ruppigen Ex-CIA-Agenten Bryan Mills in “Taken” schlüpfte und mit fiesen Einschüchterungen durchs Telefon nicht nur eine ganz besondere Gabe an Skills für den perfekten Anrufbeantworter-Text bewies, sondern quasi über Nacht auch die Kassen am Boxoffice explodieren ließ, ward eine neue Actionikone samt eigens kreiertem B-Movie-Genre geboren. Nach weiteren Baller-Hits wie “Taken 2”, "Unknown", “The Grey” oder “Non-Stop” soll es mit “A Walk Among the Tombstones” nun ein wenig morbider, intellektueller und vor allem sehr viel bedrückter zugehen. Ein wenig “Das Schweigen der Lämmer”, ein bisschen “Sieben” und eine Prise “8 mm” wurde Neeson in seinem neuen Film beigemischt.




Eines haben alle genannten Streifen gemeinsam: Sie spielen in den Neunziger Jahren. So auch “A Walk Among the Tombstones”: Was für ein scheiss Tag in New York. Erst streitet sich Polizist Matthew Scudder mit seinem Partner und dann ballern auch noch ein paar Jugendliche den Barkeeper über den Haufen, der ihm gerade noch sein Frühstücks-Gedeck mit einem Kaffee und 2 Whiskey Kurzen vor die Nase stellte. Scudder kann im Schnaps-Delirium gerade so seine Knarre zücken und verfolgt die drei Störenfriede durch die Stadt. Nach der Schiesserei, ist nichts mehr wie es war.

Als unlizensierter Privatdetektiv schlafwandwelt er nun auftragslos wie ein japanischer Ronin durch die letzten nicht gentrifizierten Gebiete Brooklyns voll von Grafitti und Müll, getränkt in schroffen Grautönen und in Panik vor dem bevorstehenden Millenium. Wir haben mittlerweile 1999. In der Bibliothek gibt es noch Röhrenmonitore, Kinder wissen mehr über das Internet als Erwachsene und nicht wirklich jeder hatte ein Handy. Zumindest Scudder nicht - ist einfach nicht sein Ding. Seine Detektivarbeit erledigt der wortkarge Mann zu Fuß, Befragungen gibt es nur Face to Face und als die Frau eines Drogenbosses von Sadisten zerstückelt aufgefunden wird, schaltet sich der Ex-Cop ein und macht sich auf die Suche nach den Gangstern. Doch fast wäre es nicht dazu gekommen: Als Liam Neeson das Drehbuch in der Hand hielt und eine Szene las, in der Scudder den vermeintlichen Entführer einer Minderjährigen durchs Telefon bedroht, wollte er das Ding wegwerfen. Zu sehr erinnert alles an seinen Action-Überraschungshit “Taken”. Doch zum Glück kam es anders. Er verleiht dem heruntergekommenen Ex-Polizisten viel Würde und eine gehörige Portion Coolness. Anstatt wild geschnittener Verfolgungsjagden und wirrer Karate-Action wird man in "Tombstones" mit beklemmender Stimmung und groteskem Humor an die Leinwand gefesselt. Und trotzdem ist eines sicher: Neeson ist einer der wenigen Schauspieler auf der Welt, der in seinen Filmen öfter telefonieren sollte. Diese Augen, die röchelnde bestimmende Stimme: Perfekt! 



Scudders besonderes Set an Skills beinhaltet hier den Umgang mit Stromschockern im Stresszustand, Bromance mit minderjährigen Bengeln und Shootout-Standfestigkeit auf Friedhöfen. Erfunden hat den nihilistischen Privatdetektiv Lawrence Block. Angelegt an Roman-Helden wie Sam Spade oder Philipp Marlowe trank und schoss sich Scudder seit 1979 mittlerweile durch 17 Bücher. In der Filmadaption ließen sich Regisseur Scott Frank und die Produzenten viel Freiraum. Zum einen haben Frauen nicht wirklich viel zu tun im "Tombstone”-Universum. Scudders Ehefrau wurde aus dem Skript gestrichen und die verbliebenen haben wenig zu sagen, meistens sind sie aber auch mit Kreischen und ihrem Überlebenskampf viel zu beschäftigt für den einen oder anderen Plausch. Anheuern würde man Scudder sicher nicht, mit dem grummeligen Detektiv kreierte Autor Block den eigentlich ungeeignetsten Ermittler, den die Literatur bis dahin gesehen hatte. Bei einer Veranstaltung brachte der Autor es selbst auf den Punkt.

“I'll tell you, if I were going to hire a private eye, Scudder's the last one I'd pick. He's either drunk or going to AA meetings, which leaves him with precious little time for work. His girlfriend's a hooker, and his best buddy is a career criminal and multiple murderer.”



Aber seine Klienten sind nun auch nicht wirklich die alltäglichsten Kunden. Genau wie Scudders Umfeld: Ein Obdachloser Lausbub (ein wenig fehl am Platz gespielt von Rapper Brian "Astro" Bradley), russische Koksmillionäre und Suizid-Gefährdete Taubenzüchter sind nicht die warmherzigsten Leute, die man um sich haben sollte. Wenn er nicht gerade auf der Bühne bei den anonymen Alkohlikern steht und über seine liquide Vergangenheit sinniert, sind es nun eben die "Gefallen an Freunden" die Scudder aus seiner Wohnung in die noir-getränkte Stadtlandschaft von New York locken. Mit einer gehörigen Portion Sadismus, farblosen Bildern und seiner Neunziger-Jahre Ästhetik grenzt sich "Ruhet in Frieden" wie der Streifen in den hiesigen Lichtspielhäusern heissen wird dabei von der restlichen Hollywood-Einheitsware an Actionstreifen ab. Doch mit 22 Millionen Dollar Einspiel in den USA und damit weit entfernt von der Goldgrube aller anderen Neeson-Genre-Filme, sieht es schlecht aus für die Verfilmung der restlichen Scudder-Romane. Hätte die schwermütige Stimmung mehr Resonanz hervorgerufen. Wer weiss? Vielleicht würde Scudder sogar seine Frau wieder bekommen und Neeson von seinem B-Movie-Fame wieder Richtung A- wandern. 



Genausoviel Pech hatte 1986 Jeff Bridges als er in "8 Million Ways to Die" in die von Alkohol getränkten Eingeweide Scudders aufweichte. Der Thriller von "Harold und Maude" Regisser Hal Ashby bot neben einer ausufernden Performance eines noch sehr jungen und mit Pferdeschwanz an den frühen Steven Seagal erinnernden Andy Garcia, buntes Los-Angeles-Koks-Flair und einen minimalistischen Showdown auf einem Miniatur "Angels-Flight" Rolltreppen-System, dass in den Eingang einer Luxusvilla fuhr. Ashbys letzter Kinofilm und quasi sein Karriere-Aus blieb von den Kinogängern der Achtziger Jahre quasi unentdeckt. Vielleicht sind Lawrence Blocks Scudder-Romane ja auch unfilmbar und Massenuntauglich. Eine gute Option sich eventuell mal wieder mit einem Buch in der Hand hinzusetzen und zu Lesen. 


60%


Mehr von Liam Neeson 


- Interview: Zu Taken 2 

- Review: TAKEN 2 
- UNKNOWN IDENTITY 

Liam Neeson Killcount Map: 





Jeff Bridges als Matthew Scudder in "8 Million Ways To Die" 




Neeson im "Bad Ass"-Interview zu "Tombstones" 




Neeson über seine Rolle in "Walk Among The Tombstones" 




Trailer: 





Mittwoch, 29. Mai 2013

Gesichtet: Hangover III + Fast & The Furious 6 -- The Bromance May




„Wann ist ein Mann ein Mann“: Nicht nur Rocker Herbert Grönemeyer fragt sich das immer wieder. Männer weinen heimlich, Männer haben Muskeln, Männer brauchen viel Zärtlichkeit. (Wir empfehlen, den Text am besten mit folgendem Song im Hintergrund zu lesen...)


Glaubt man den neuesten Hollywood-Fließband-Blockbustern und Jugend-Vorbilds-Streifen „Fast and the Furious VI“ und „HangoverIII“ welche gerade im Kino gestartet sind, gehören nicht nur laute und schnelle Autos sowie eine gehörige Portion Bromance dazu, nein es sind vor allem auch die gemeinsamen Ziele die zusammen schweißen. Das und verdammt viel lüsterne Homoerotik! 



In „Hangover 3“ wird das verbale Vorspiel dermaßen auf die Spitze getrieben, dass man kaum noch miteinander spricht, sondern direkt anfängt zu flirten. „Vielleicht solltest du besser dein Shirt ausziehen“ haucht der debile Alan mit seiner zarten Stimme Schönling Phil zu als der mit seiner geballten Manneskraft einen riesigen Hammer durch die Luft wirbelt, während die anderen ihm liebestoll dabei zuschauen. Das „Wolfsrudel“ wie sich die Bezugsgruppe ganz niedlich nennt, ist zum ersten Mal weder besoffen noch unter Drogeneinfluss und dementsprechend auch meilenweit von einem Hangover entfernt, dafür müssen sich die vier Freunde mit Gangster Chow herumschlagen, der wie echte Männer nun mal so sind, andauernd anbietet den einen oder anderen Schwanz der Hauptdarsteller zu lutschen und mal ganz ehrlich: Die knisternde Mannes-Wollust ist im dritten Teil der Saga so prägnant dahinbrodelnd, dass das Fass gerne überlaufen könnte. 



Zieht euch doch einfach alle aus und blast und fickt euch das Hirn raus, will man immer wieder schreien, während die Charaktere durch ein doch recht spannungsloses und unwitziges Drehbuch schlafwandeln. Apropos Schlafwandeln: auch bei "Fast 6" stimmt so einiges mit der Motivation der Figuren nicht. Hier haben alle jedoch so viel Humor um sich selbst auf die Schippe zu nehmen. „Versteckt das Babyöl“ wird propagiert, wenn Dwayne „The Samoan Thor“ Johnson in den Raum trampelt oder einfach nur total tuntig mit den Händen angelehnt an seiner Hüfte am Filmset herumsteht, und nicht genau weiß was eigentlich gerade los ist. 


Immer schön die Hände an die Hüfte / Wer groß sein, will muss fressen!!

„Hört auf damit“ ruft er einmal in eine gelangweilte Gruppe. Womit? Das weiß keiner so genau. Ist ja auch egal, bald fliegt wieder was in die Luft. Johnsons gigantischer Muskelberg von Körper zum Beispiel, der wird von einem sehr engem T-Shirt im Zaun gehalten. Allerdings spannt der Textilfetzen so sehr, dass es immer wieder so aussieht, als würde das Shirt dem Druck nicht gewachsen sein und The Rock selbst gleich explodieren. 



Jeder Gay-Porno hat sicherlich mehr an Handlung zu bieten, als beide Filme zusammen. Irgendwie geht es beim „Furious-Streifen“ darum Lette – die im 3. oder 1. oder 20. Teil schon längst gestorben ist, nun aber inklusive Amnesie von den Toten zurückgekehrt, wieder zu ihrer „Familie“ geholt werden soll; denn das ist das wichtigste Credo des Films: „Nichts geht über die Familie“. Die Hangover-Boys versuchen derweil ein gekidnapptes Mitglied ihres Wolfsrudels zu befreien und darüber hinaus Gold von Mega-Gangster Marshall alias John Goodman zurück zu holen. 



Während Dwayne Johnson seine Rasselbande mit der Drohung „Hier riecht's nach Arschtritt“ noch bezähmen kann, steckt der wilde Asiate Chow seine Nase gleich direkt in Stu's Hintern. Macht aber auch Sinn, echte Männer brechen nun mal eben als Cosplay-Hündchen mit Fetisch-Nieten-Lederhalsbändern bewaffnet, auf allen Vieren torkelnd, in eine tijuanische Villa ein. Wenn das kein Male-Bonding ist. Gebunden wird sich auch bei den toughen Boys des Auto-Baller-Streifens. Wenn gegen Ende Dwayne Johnson und Vin Diesel im Tag-Team einen Bösewicht-Hühnen den Gar aus machen, gibt man voller Euphorie auch mal seinem Sitznachbarn High Five. 

Doch nach all den Abenteuern die man miteinander erlebt, egal ob man nun gemeinsam in Las Vegas vom Ceasars Palace abseilt, oder in den Londoner U-Bahn zu zweit von einem Martial-Arts-Kämpfer nieder gemacht wird, am Ende, tja am Ende... da ist man doch an die Konventionen der heterosexuellen Weltanschauung gebunden. "Fast & Furious 6" endet nicht in einem glitschigen Muskelberg-Einöl-Marathon, sondern bei einem männlich, saftigen BBQ im Hinterhof. Und auch beim finalen Teil der „Hangover“-Trilogie gibt es zum Schluss kein prickelndes Male-Blowjob-Fest, hier wird ganz konservativ geheiratet. Noch schlimmer (Achtung Spoiler): Das Wolfsrudel löst sich auf um in der von verklemmten Heten regierten Welt zu bestehen. Doch wann ist denn ein Mann nun heutzutage ein Mann? Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist ein Mann ein Mann?         

Text: Markus Breuer 
Fotos: Promo/Verleih 

Hangover III                              20% 
The Fast & The Furious VI           40%


Trailershow: 







Samstag, 23. März 2013

Interview: Mark Wahlberg



Gelb gewellte Auslegware und Treppen aus weißem Marmor weisen uns den Weg. Wir befinden uns im Ritz Carlton am Potsdamer Platz und warten auf Mark Wahlberg. Kurz vor der Berlinale jettet der berühmte Ex-Rapper, Ex-Calvin-Klein-Model und mittlerweile einflussreiche Hollywoodstar und Produzent in die Hauptstadt um die Promo-Trommel für seinen neuesten Streifen “Broken City” zu rühren. Ganz ungezwungen und mit bester Laune betritt er den Interview-Raum “Hey Jungs, wie geht’s euch?” informiert er sich in einem kumpelhaften Umgangston. Dabei sieht Marky Mark so aus, als wäre er direkt aus dem Wellness-Bereich des Luxus-Hotels zu uns gestossen. Bunte Sneakers an den Füßen, T-Shirt, Schweißbändchen am Arm und eine Flasche Hydro-Water in der Hand. Natürlich trinkt er auch nur das, ihm gehört schließlich ein Teil des Konzerns der dahinter steht. Doch dazu später mehr. Reisen wir erst mal in seine bewegte Kindheit.

Herr Wahlberg, wie war es, als eins von neun Kindern in einer Arbeiter-Groß-Familie auf zu wachsen?

Es war ziemlich normal, denn es war das einzige was ich kannte. Ab einem bestimmten Alter merkte ich, dass ich mir nicht alles leisten konnte, was andere Kinder so hatten, aber wir hatten immer uns und das reichte. Es war sehr chaotisch, aber meistens cool und vor allem, wenn man mal in einen Kampf geraten ist, konnte man immer einen seiner anderen Brüder um Hilfe bitten.

Wann kamen die ersten Träume ans Kino und die Idee beim Film zu arbeiten?

Das kam alles erst sehr spät, als ich Danny DeVito und Penny Marshall getroffen hatte, so mit 20 oder 21 Jahren. Das Kino habe ich aber schon immer geliebt. Meine Lieblingsbeschäftigung war es mit meinem Vater Filme zu gucken. Der erste Film den ich jemals im Kino gesehen habe war “Ein stahlharter Mann” mit Charles Bronson. Ich erinnere mich noch als wäre gestern gewesen. Steve McQueen, Robert Ryan und James Cagney, alle diese Typen, die besser als andere aussahen, wurden meine Idole.

Toll macht er das alles. Man fühlt sich so, als hätte man einen entspannen Kumpel neben sich zu sitzen, der ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert und das alles gar nicht so anstrengend findet. Fragen wir ihn mal etwas zu dem Film, der eigentlich promotet werden soll.

Niemand hat eine reine Weste in “Broken City”, es gibt kein echtes Happy End, dass ist alles ein wenig untypisch, was hat sie dazu bewegt den Film zu machen?

Ich liebe diese Welt, mag das Material, solche Filme machen mir einfach Spaß und es kann nicht immer Happy-Endings geben. Filme über Korruption und Leute die viel Macht haben und diese falsch nutzen ziehen mich einfach magisch an, obwohl ich auch vieles anderes mache, sind es doch genau diese Geschichten die ich zeigen möchte. Macht ist einfach gefährlich und schon als Kind hatte ich es mit korrupten Polizisten zu tun. Es ist eine Welt in der ich mich wohl ziemlich gut auskenne.

Welche Rolle hatten sie als Produzent bei dem Projekt, konnten sie selbst die Schauspieler aussuchen?

Ich habe alle Schauspieler ausgesucht, mich um alles gekümmert. Vom Geld besorgen, über die Idee den Streifen unabhängig zu produzieren. Wir haben ihn im Geiste einer Fernsehproduktion gemacht. Weniger Geld, weniger Zeit, aber wenn man gutes Material hat, verzichten große Schauspieler auch mal gerne auf ihre normalen Gagen.

Stimmt es, dass sie eigentlich die Rolle des Bürgermeisters übernehmen wollten?

Ja, wisst ihr, man will immer die Rolle haben, für die man eigentlich nicht der richtige ist. In “Ted” wollte ich eigentlich der Bär sein, wenn man “Scarface” liest, will man “Scarface” sein.

Aber wieso ist Russel Crowe dann besser geeignet als sie?

Na ja, vor allem stimmt es mit dem Alter eher als bei mir. Aber junge Leute wollen immer die alten und die alten die jungen spielen. Ich habe mal ein Drehbuch von Paramount Pictures bekommen und es gelesen. Es ging um einen alten und einen jungen Typen und ich wurde immer aufgeregter und hatte mich in Geschichte verliebt. Vielleicht rufe ich Jack Nicholson an, er ist ein Kumpel von mir oder Tommy Lee Jones, die wären perfekt für den alten part. Dann bekomme ich einen Anruf aus dem Studio. Sie fragen mich, was ich von Gerrett Hedlund halte. Er ist cool, aber wieso wollt ihr das wissen? Antworte ich. Na ja, er soll den jungen Typen spielen. Wie bitte? Wer bin ich dann? Schreie ich in den Höhrer, ich bin schon der verfickte alte Typ? Das geht alles so schnell.

Stimmt es, dass es während dem Dreh einen Unfall gab?

Ja, es gibt diese Szene wo mein Charakter anfängt zu trinken, weil er seine Freundin, die ja Schauspielerin ist, auf der großen Leinwand in einer Sexszene sieht. Grauenhaft, meine Frau würde ich auch nie in so etwas sehen wollen, sie hasst es auch, wenn ich erotische Szenen drehe. Er geht also auf die Strasse und verprügelt ein Paar Männer, macht was kaputt und wirft Flaschen umher. Ich hab einfach ein paar Freunde angerufen, denen ich aufs Maul hauen konnte und wir haben mit der Kamera drauf gehalten.

Wie bitte?

Ja, ich hatte keine Lust viel zu choreographieren, also rief ich zwei Freunde an, sagte ich bring euch in meinen neuen Film. “Cool, was sollen wir machen” erwiederten sie und wussten auch gleich es wird was verrücktes werden. Stellt euch einfach in die Ecke da hinten und schaut was passiert. Ich rannte hin und wir schlugen einfach die Scheisse aus uns raus. Plötzlich schreitete die Polizei ein und wollte einen Schlussstrich unter die Sache setzen. Es reicht, sie wollten mir die Drehgenehmigung weg nehmen. Also musste ich im Büro des echten Bürgermeisters anrufen und um Vergebung bitten, damit wir weiter machen konnten.

Herrlich, wie er mit kleinen Anekdoten und persönlichen Geschichten um sich wirft, er weiss einfach wonach die Presse lechzt. Ein Profi. Und jetzt wird er richtig leidenschaftlich. Man sieht ihm die Passion richtig an, spürt wie er sich für Projekte begeistern kann.

Sie haben die amerikanischen Rechte des norwegischen Films “Headhunters” erworben?

Ich liebe diesen Film einfach, er ist so großartig.

Ein zustimmendes Nicken von unserer Seite aus.

Hast du den Film gesehen? Fragt Wahlberg.

Ja, er war super!

An dem Tag wo ich ihn sah, haben wir gerade “Broken City” gedreht und meine Familie plante vorbei zu kommen, weil wir Thänksgiving feiern wollten. Ich habe einem Kumpel gesagt, er muss ihnen erklären, dass ich erst diesen einen Thriller zu Ende sehen muss. Wir wollten eine amerikanische Version davon drehen. Und dann wurde ich richtig traurig, weil er eh schon verkauft war. Ich wollte ihn produzieren und drin mitspielen, hatte mich schon mit dem Regisseur getroffen, also habe ich den neuen Verleih angerufen und denen erklärt, dass sie verkacken werden und ich das machen muss, aber im Moment weiss ich nicht mal mehr wo die Rechte geblieben sind. Oh man, erinnert ihr euch noch an diese eine Szene, wo das Polizeiauto die Klippe runter fällt, oder als er sich die Haare mit dem Messer schneidet?! Einfach verdammt großartig der Streifen. Oder die Szene mit dem Hund. Wow!

Genug geschwärmt, holen wir ihn mal ein wenig zurück in die Realität und stellen die obligatorischste aller Fragen.

Du hast schon immer einen wohl trainierten Körper, wie wichtig ist dir Fitness und was ist dein Geheimnis?

Ich liebe es meinen Körper zu pushen, ich kann mich an physische Grenzen bringen, aber es kommt immer darauf an, was ich gerade spiele. In “Broken City” reicht es aus, normal rum zu laufen, aber in “Pain & Gain”, den ich mit Michael Bay gedreht habe, musste ich richtig pumpen gehen. Ich spiele einen Bodybuilder.

Vermisst du die Zeit als Marky Mark manchmal und ist deine Musik-Karriere endgültig ein geschlossenes Kapitel in deinem Leben?

Es ist auf jeden Fall vorbei. Aber es waren echt lustige Zeiten. Ich kann mich noch daran erinnern oft in Deutschland und Berlin gewesen zu sein und allen möglichen Trubel veranstaltet zu haben. Es gibt aber keinen Fokus und keine Disziplin im Musik-Business, dass ist der größte Unterschied zum Filmemachen.

Welche Musik hörst du denn Heutzutage so?

Ach, keine Ahnung. Aber meine neunjährige Tochter liebt Taylor Swift. Mein Sohn, er ist sechs Jahre alt, hört den ganzen Tag Jay-Z und Kanye West. Alleine im Auto höre ich Rock, aber meistens diktieren die Kinder, was wir für Filme gucken und für Musik hören.

Kannst du überhaupt noch relaxen, wenn du deine Filme produzierst und mitspielst?

Nein, das klappt einfach nicht. Die Tage werden immer länger und vieles passiert in der Nacht. Man kommt nach Hause und die Sonne geht schon wieder auf, es ist schwer ein zu schlafen, du musst alles abdunkeln. Ausruhen ist da nicht drin.

Du hattest so viele verschiedene Karrieren. Als Rapper, Model, Schauspieler, was kommt als nächstes, was passiert noch so in deinem Leben?

Ich habe viele verschiedene Business-Ideen, vor allem abseits der Filmindustrie. Mir gehört ein Teil des bekannten “AquaHydrate”-Konzerns…

Er spielt mit dem Wasser auf dem Tisch herum.

…der mit Elektrolyte versetztes Wasser herstellt. In Zukunft will ich darauf hin arbeiten alles was ich produziere auch selbst behalten zu können, also mein eigenes Studio zu haben.

Wie sieht es mit selbst Regie führen aus?

Da habe ich auf jeden Fall schon drüber nachgedacht, aber das nimmt so viel Zeit weg. Ich habe vier Filme die dieses Jahr raus kommen, dann noch Regie irgendwo machen, klappt nicht mehr. Aber wenn das richtige Projekt zur richtigen Zeit kommt, wieso eigentlich nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quatsch, ich danke euch dafür. Ruft er noch in die Journalisten-Menge. Posiert brav für ein Paar Fotos und muss dann auch schon weiter zu der nächsten Gruppe. 

Interview/Foto: Markus Breuer

Dienstag, 5. März 2013

Gesichtet: Die fantastische Welt von Oz



Die fantastische Welt von Oz
OT: Oz the Great and Powerful
USA 2013

Filmstart: 07. März 2013
Dauer: 130 Minuten 
Regie: Sam Raimi
Mit: James Franco, Mila Kunis, Rachel Weisz, Michelle Williams

Links:
rottentomatoes: 73%
imdb: 7,4

boxofficemojo: 493 Millionen




Da wo Weite beschränkt wird, blickt man automatisch in die Tiefe: Sam Raimi startet seinen Mega-Blockbuster „Die fantastische Welt von Oz“ im Kansas der Jahrhundertwende. Schwarzweiß-Bilder im alten 4:3-Format zelebrieren während des stimmungsvollen Vorspanns nicht nur die Geburt des Kinos, sondern auch die des Frauenhelds, des Tricksers Oz. Während er Illusionen für seine Zuschauer kreiert, wird er plötzlich mit der harschen Realität konfrontiert. Oz muss fliehen und springt in einen Heißluftballon. Dann erwischt ihn plötzlich ein Wirbelsturm. Der eigentliche Triumph weicht dem Todeskampf. Wie seinen Protagonisten, schüttelt der Sturm auch den Rezipienten wild durch. Ist die Ballon-Achterbahn-Rallye erst mal vorbei, vernebelt die eine oder andere Hirnerschütterung erst mal das logische Denkvermögen. Perfekt, denkt sich das Produzenten-Gremium, man ist ja schließlich direkt in der knall bunten Disney-Blockbuster-Fabrik gelandet. 


Retorten-Unterhaltung, triviale Dialoge, eine Geschichte ohne wirkliche Höhepunkte, ohne Spannung, ohne großartige Überraschungen, immer das erlösende, vorhersehbare Finale im Auge. Das ist die wundervolle Welt der risikolosen Disney-Juristen, die ihre Multi-Millionen-Ausgaben in Sicherheit wägen und bloß kein Wagnis eingehen wollen. Wie wäre es mal mit der einen oder anderen Charakter-Entwicklung im Laufe der Spielzeit? Quatsch! Das haben wir bei „Alice im Wunderland“ auch nicht gebraucht. Und während Micky Maus seit 2010 noch fleißig die eingenommenen Dollarnoten aus dem Tim-Burton-Spektakel stapelt, können wir uns über die Logiklücken des neuen potentiellen Geldscheffel-Filmchens echauffieren. 


Da wäre zum einen ein kleines Dorf, das von einer guten Hexe (trägt weiß) und ihrem eigens geschaffenen Sicherheitsschirm beschützt wird. Seit Jahren haben die bösen Hexen (alle in schwarzen Lederanzügen) auf ihren fliegenden Stöckchen es nicht geschafft, die erschaffene Kunsthaut zu durchdringen. Hexe Theodora wechselt mal eben auf die dunkle Seite, bekommt grüne Hulk-Haut und schwupps – durchdringt sie ohne irgendwelche Trixereien – das nicht ganz so effektive Schutzschild. Nur um ein wenig herum zu schwafeln und wieder ab zu zischen. Ob es nun der fliegende Cgi-Affe ist, das traumatisierte Porzellan-Mädchen oder sonst wer in dem hermetisch abgeriegeltem Effekt-Kosmos, alle Figuren zeigen immer nur ihre eindeutig definierten Emotionen. 


Niemand weiß zu überraschen, niemand darf aus seiner Blase an eindimensionaler Dialoggunst ausbrechen, Sätze werden zu Statements, Menschen zu Objekten, die konstruierte 3D-Welt sorgt zwar für den obligatorischen Eye-Candy, schafft es aber nicht, das Gehirn der Zuschauer komplett zu vernebeln. Ja sind wir denn die einzigen, die der Bonbon-Welt wieder entfliehen wollen, weg von Computer animierten Tierchen, fliegenden Hexen, einstürzenden Brücken und hölzerner Phrasen? Zurück ins 4:3 Schwarzweiß Kansas, hier wo es noch etwas zu erzählen gab, etwas wirkliches zu tun? James Francos Charakter scheint es mit dem Heimweh nicht allzu ernst zu nehmen. Wieso auch? Am Ende seiner stupiden 3D-Reise steht die Aussicht auf haufenweise Gold. 


Eine Aussicht, die sich auch die Produzenten des Abenteuer-Filmchens nicht nehmen lassen werden. Auch wenn es der phantastischen Welt an Phantasie fehlt und sie am Ende nur schablonenhafte Langeweile-Unterhaltung bietet.   

40%

Ein Blick hinter die Kulissen: 


Die Schauspieler erklären ihre Rollen und kriechen sich gegenseitig in den Arsch: 


Trailer: 



Text: Markus Breuer 
Fotos: Walt Disney Pictures 2013