Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Videowelt vor 20 Jahren: The Last Boy Scout


Spulen wir die Zeit mal ein wenig zurück. Vor 20 Jahren gab es keine Blu-Rays, keine DVD’s und keine überteuerten 3D-Kinokarten für Filme die auch locker in 2D funktionieren würden. Zurück spulen musste man auch - die nicht gerade vor Qualität strotzenden - VHS-Kassetten die es in den lokalen Videotheken gab. Nachlässigkeit wurde mit einer Straf-Mark geahndet. Weit entfernt von “downloads”, “streaming” und digitalen Projektionen blieb dem Filmfan jedoch nichts anderes übrig als der Weg zum Videoladen um die Ecke.

Willkommen in einer Zeit, bei der man noch schnell mal einen flotten Spruch aus dem Repertoire zog nach dem man jemanden umgenietet hat, eine Zeit in der Actionstars noch Muskeln und wenig Köpfen brauchten, eine Zeit in der Daman Wayans die Glatze hatte und nicht Bruce Willis. 



Japanische Auto-Werbe-Spots machten keinen Sinn, aber hatten den Star aus “Stirb Langsam” als verkaufsfördernden Werbeträger mit an Bord.



“Last Boy Scout” erklomm locker die Siegertribühne der damaligen Videocharts. Ein Actionkracher der alten Schule. Derbe Sprüche, explodierende Autos und ein ungleiches Paar als quirlige Hauptdarsteller. 

“Das sind die Neunziger, du kannst nicht einfach auf jemanden zu gehen und ihm eine geben, du musst vorher was cooles sagen”
      - So bringt es Joe Hallenbeck alias Willis auf den Punkt

Obwohl Produzent Joel Silver mit "Lethal Weapon"-Drehbuchautor Shane Black und "Top Gun"-Regisseur Tony Scott ein klares "Stirb Langsam"-Remake auf die Beine stellte, ist der Film in seiner Machart doch um einiges radikaler. Das Blut fließt in Strömen, Körperteile und Ausdrücke fliegen durch die Lüfte wie Konfetti, Sekt und Glitzer auf wilden Silvesterpartys. “Fuck you Daddy”, “you are an asshole”, “you are such a fuck-up” keift die 13-Jährige Darian (Danielle Harris - die bis Heute mit 83 vorzugsweise Horrorfilmen zu einer nicht gerade unbekannten Scream-Queen gebracht hat) ihren Vater an. Ein wenig zu vulgär, ein bisschen zu verdorben. Shane Blacks Drehbuch zündete die F-Bombe gefühlte 10 Mal pro Seite. Schneidet man nur die Kraftausdrücke des 90 Minuten Films zusammen, bleiben trotzdem 4 Minuten an reinen Anstößigkeiten.




Trotzdem heimste Black die Rekordsumme von 1,7 Millionen Dollar für sein Script, ohne das es jemand vorher gelesen hätte, ein. Damit war er der erste Drehbuchautor der die Millionen-Dollar-Barriere durchbrach. Übertroffen nur von sich selbst, als er fünf Jahre später gigantische 4 Millionen Dollar für „The Long Kiss Goodnight“ nach einer Versteigerung einsackte. Leute in der Hollywood-Industrie wurden hellhörig, neidisch, sogar sauer. Wie dieser Artikel aus der US-Variety zeigt. Autor Peter Bart – eigentlich ein guter Freund Blacks – echauffiert sich über ein Drehbuch, dass angeblich 1/3 seiner Leser zum kotzen brachte. Du bist nicht mehr nur noch ein "Schriftsteller", du bist mittlerweile eine "Figur der Industrie" schrieb Bart in dem mehrseitigen Memo an seinen Freund. Beruhig dich einfach wieder, schließt er ab. Deine Charaktere sind zu brutal, du hast deine Waffen nicht mehr unter Kontrolle. 


But cool it, kid. Your weapons are out of control. If the French have established a "language police" to protect their native tongue against vulgarization, then Hollywood may have to come up with its own language police to protect against Shane Blackisms.
 Mit dem Drehbuch zu „lethal Weapon“ begann Blacks Hollywood-Karriere. Im gleichen Jahr als er als Soldat Hawkins eine der ersten menschlichen Trophäen für den „Predator“ wurde (Shane startete seine Karriere als Schauspieler), sorgten Riggs und Murtaugh für klingelnde Kassen in Joel Silvers Produzentenbüro. 


Shane Black als Soldat Hawkins in "Predator" 1987
Gedankt hat er es ihm wohl immer wieder. Nach dem kommerziellen Misserfolg von "The Long Kiss Goodnight" ging es bergab mit dem Wunderkind, dass mit nur 23 Jahren ein Drehbuch wie "Lethal Weapon" ablieferte. Partys wurden gefeiert, doch wirklich arbeiten konnte Black nicht mehr, wie er in einem Interview bestätigt. 2005 produzierte Silver dann Shane's Regie-Debut "Kiss Kiss Bang Bang". Nur 15 Millionen Dollar konnte er für den wilden Mix aus Film Noir und Buddy-Komödie zusammen kratzen. Fans lieben den Film, der auch ein großer Erfolg für Robert Downey Junior ist, doch mit nur 4 Millionen Dollar Einspielergebnis in den USA, ist er alles andere als rentabel. Wieder wird es ruhig um Shane Black.



Mittlerweile ist Black jedoch wieder Auferstanden und scheint aus dem Nichts plötzlich am Höhepunkt seiner Karriere angekommen zu sein. Interviews auf der Comic-Con, Gerüchte im Internet streuen  und Fotos mit Kumpel Robert Downey Junior & Don Cheadle machen. 


Comic-Con 2012 
Shane Black schreibt das Drehbuch und führt Regie bei "Iron Man 3". Ein Hochpunkt, ein Triumph, eine schwere Bürde. Im Mai 2013 startet der Bombast-Blockbuster in den Kinos. Eines ist schon jetzt klar: Diesmal wird auch ein Film von Shane Black mal rentabel sein. 


Zurück ins Jahr 1992. Damals wollte Shane einen Film machen, der Tribut an „The Big Sleep“ zollt. "Zum Glück hat The Last Boy Scout ein gewisses Maß an Selbstironie. Doch Black ist kein Raymond Chandlers, Bruce ist nicht Bogart." Urteilte die damals noch recht relevante Kinozeitschrift "cinema". 



cinema, märz 1992



Trotz Ungereimtheiten: Eine 100% Bewertung. Ein Actionspektakel für große Jungs. Trockener Humor und Videoklip-Ästhetik überzeugen die Redaktion. Dabei schafften es nicht wirklich alle Spitzfindigkeiten aus dem Drehbuch in den finalen Film. So schrie Football-Star Billy Cole am Anfang nicht “Ain’t live a bitch”, sondern:



               COLE


I'm going to Disneyland...

Puts the GUN to his helmet. FIRES. 

Regisseur Edgar Wright ("Shaun of the Dead") scheint den Klassiker dennoch zu lieben. Immer wieder zeigt er den Film einem Publikum zum Neu-Entdecken in London's Prince Charles Cinema und LA's New Beverly Cinema
The movie still plays like a dragon eating its own tail, an action thriller framed by flaming air quotes. While completely dismissed by some, it predates the 90′s vogue for meta madness and exhibits the thick ear exuberance of a coked up ‘Kiss Me Deadly’. As you can tell, I highly recommend it.
Vor 22 Jahren sah das alles noch ganz anders aus. "The Last Boy Scout" startete zur Weihnachtszeit, Hollywood-Studios kämpften mit enttäuschenden Ticketverkäufen und Warner baute eher auf den Thriller "JFK" als den fiesen Buddy-Movie-Bastard. Für viel zu brutal wurde der Streifen eingestuft. 

Body Count: 



Die Internet Movie Firearms Database "imfdb" zählt folgende Waffen auf, die in 90 Minuten zu ihrem tödlichen Einsatz kamen. 




Die Kritiker waren sich indes einig. Eines hatten alle zu bemängeln: den Fakt, dass Frauen nicht wirklich etwas zu tun hätten in Tony Scott's nüchternem Actionfeuerwek. Hallenbacks Frau betrügt ihn, seine Tochter flucht sich durch den Tag. Einzig und allein Halle Berry – die damals noch recht unbekannt war – konnte durch ihre Mini-Rolle als exotische Tänzerin “Cory” überzeugen und blieb den Kritikern im Gedächtnis.


Halle Berry als Stripperin Cory
Das beste am Film ist Halle Berry, eine Schauspielerin von der man noch viel hören wird
(Was für prophetische Fähigkeiten die New York Times doch hatte). Dennoch – viel Textil war ihr nicht vergönnt und lange überlebt auch sie im Film nicht. Und mal ganz ehrlich: Für dieses Verbrechen von einer Zebra-Leder-Fransen-Jacke hat sie ihren frühen Screen-Tod auch irgendwie verdient. 

Halle Berry
 I don't think women will want The Last Boy Scout.
Postulierte Kritikerin Kathleen Maher im Austin Chronicle. Wozu auch? Denkt man sich, lehnt sich zurück und genießt einen äußerst bösen, vor Dialogwitz strotzenden Action-Krimi mit Krawall-Szenen die man sich wohl nur vollgekokst auf irgendeiner Pool-Party in LA ausgedacht haben konnte. Die als "MTV-Generation" tätolierte Jugend dankte und nominierte die Helikopter-Schluss-Sequenz als "Best Action Sequence" bei den MTV Movie Awards 1992. 




Auch Willis und Wayans wurden nominiert. Als "Best On-Screen Duo", mussten sich aber den beiden hier geschlagen geben. 


Wie ihr schon merkt. Wir empfehlen diesen fiesen Thriller. 

80%

tödliche "fat wife" Scherze



Trailer: 


Die Blu-Ray auf amazon.de: 




Dienstag, 4. Dezember 2012

Gesichtet: Parker


Parker 2013
Regie: Taylor Hackford
Darsteller: Jason Statham, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Emma Booth
US-Start: 24. Januar 2013 
Filmstart: 7. Februar 2013

Rottentomatoes: 91% (audience)









Eins ist auf jeden Fall klar: Parker ist der schnellste Autoknacker der Filmgeschichte. Noch nie hat man jemanden gesehen, der so rasch die unterschiedlichsten Karren kurz schließen kann. Da will man nur mal eben zum Geldautomaten und während man gerade seine Pinnummer eingibt, fährt Parker schon unbemerkt mit deinem Auto im Hintergrund an dir vorbei. Das ist natürlich nicht alles was der wortkarge Kerl so drauf hat. Der “echte Mann”, wie er von Jennifer Lopez’ Film-Mama erwartungsvoll genannt wird, hat auch so seine Prinzipien. Wer versucht ihn ab zu murksen und seinen Teil der Beute einheimst, der muss halt mit dem Echo rechnen. Da hilft es auch nicht, dass Vaterfigur Nick Nolte mit den 200.000 Dollar, die nun in Parkers Urlaubskasse fehlen, in der Sporttasche vor ihm steht und den Spuk beenden will. Prinzip ist Prinzip und so schnappt sich Parker (Wer braucht schon einen Vornamen, die sind eh nur für Pussys) einen Cowboyhut, passende Stiefel samt engen Anzug und macht sich auf die Suche nach den Verrätern. 


Foto: Constantin Film
Die mehr oder minder aus Prolls und Rednecks zusammengewürfelte Truppe plant jedoch schon den nächsten Coup. Juwelen im Wert von 75 Millionen Dollar in Palm Beach Florida während einer Auktion vor den Augen der Polizei klauen. Damit hätten sicher sogar “Ocean’s” Freunde einiges zu tun. Wirklich glaubwürdig sind die Hillbillies nicht, die nach dem Job des Jahrhunderts erst mal mit dem Sixpack Bier aus der Küche anstoßen und Panik schieben. Das wäre George Clooneys Armani-Nobel-Truppe nicht passiert. Aber egal. Parker muss sich nebenbei eh noch mit Auftragskillern rumschlagen, sich von seiner Freundin zusammen flicken lassen und den sexuellen Avancen von Jennifer Lopez wiederstehen.



Man macht sich plötzlich Sorgen um Jason Statham. Der schlafwandelt durch die sich ewig, wiederholende Action-Story und spielt die ganze Schose ein wenig so als wäre er in Trance. Hier mal blutverschmiert, grimmig in die Kamera gucken, schnell noch das eine oder andere Genick brechen und bloß keine Emotionen zeigen. Sogar nach Jennifer Lopez’ Striptease kostet es den gebürtigen Engländer große Überwindungen aus seinem bequemen Sessel auf zu stehen und auch nur den Ansatz einer Gemütsbewegung erkennen zu lassen. “Anziehen!” ruft er nur nüchtern und verschwindet aus dem Hotelzimmer. Knisternde Erotik geht anders. 




Die größte schauspielerische Leistung hätte da noch der texanische Akzent sein können, doch der sitzt allerdings überhaupt nicht und wirkt total lächerlich. Noch viel besorgter ist man nach dem Film allerdings um Nick Nolte. Der sieht so aus, als hätte man ihn auf Steroiden aus dem Altersheim entführt und ohne Zivi irgendwie verloren ans Filmset gestellt. Hier wirkt er wie ein verwirrter Demenzkranker der nicht genau weiß, was er tun soll wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind. Verstehen kann man sein lispelndes, unfreiwillig komisches Geschwafel auch kaum.


Foto: Constantin Film
Der einzig spannende Charakter der Geschichte kommt da ein wenig zu kurz. Parkers Power-Freundin Claire alias Emma Booth. Die sticht nicht nur den Killern, die sie unter der Erde sehen wollen, vorausschauend die Reifen kaputt, nein Madame hat sogar Qualitäten als Teilzeit Ärztin, sexy Betthäschen und abgeklärte Freundin. “Keine Narben mehr haben wir doch gesagt!” merkt sie beim gemeinsamen Duschen an. Sogar besorgt darf sie also sein. Endlich ein paar Emotionen in der Geschichte, bei der man vor Unterkühlung schon fast erfriert. Man könnte sich ein Spin-off mit Emma als Hauptdarsteller wünschen, würde sie nicht nur dafür missbraucht werden, brav in einer Holz-Fischer-Hütte auf ihren Mann zu warten.


Foto: Constantin Film
Da wäre dann noch die Action zu erwähnen. Die hier durchaus innovativ in Szene gesetzt ist. Was haben wir von “Parker” gelernt? Man muss nicht immer nur stupide auf den Auslöser drücken, auch das Magazin einer Automatikwaffe kann als Mordinstrument zweckentfremdet werden. Und allein dafür lohnt es sich wenigstens ein mal rein zu schauen in die abgeklärte Welt von Parker. Dafür und für den riesigen, überdimensionalen Cowboyhut. 


Statham ist auch bei weitem nicht der Erste, der in die Schuhe von Parker schlüpft. Schon acht Mal zog es die unterschiedlichsten Schauspieler als Super-Gangster auf die große Leinwand. Vorlagen gibt es genug. Parker ist nämlich Krimi-Buch-Star. Erfunden von Schriftsteller Donald Westlake entstanden unter dem Schreiber-Synonym Richard Stark seit 1962 ganze 24 “Parker”-Thriller. Acht davon wurden verfilmt. So unterschiedliche Regisseure wie Jean-Luc Godard, John Boorman oder Brian Helgeland wagten sich an den minimalistischen Stoff (Parker gerät in Schwierigkeiten - Parker entkommt seinen Schwierigkeiten). Allerdings ließ es sich Autor Westlake nicht nehmen eine gewisse Klausel in die Verfilmungs-Rechte ein zu bauen. Welcher Schauspieler auch immer Parker verkörpert, solle doch gleich für eine komplette Serie Unterschreiben. 

Das wollte irgendwie niemand so recht und so heißt der Held in seinem Film-Ouevre entweder Porter, Walker oder Stone. Godard verwandelte ihn gar in eine Frau namens Paula Nelsen (”Made in U.S.A”) und in “Split” - der mutig in den USA der sechziger Jahre die Rassentrennung ansprach - ist Parker ein Schwarzer namens McCain. 2008 starb Autor Westlake mit 75 Jahren in Mexiko und hinterließ ein Lebenswerk von über einhundert Romanen, sowie die Rechte zu Parker. Deshalb ist Statham nun der erste in der Reihe, der seinen original Namen tragen darf. 

Liest man sich ein wenig durch die Parker-Krimis, merkt man schnell, Regisseur Hackford ("Ray") klammerte sich streng an die Vorlagen. Der verschlossene Profi und seine stringente Arbeit waren nie für ein Mainstream-Publikum gedacht. Das betonte Westlake in einem Interview mit der Chicago University selbst: 


"More than that, I’d done nothing to make him easy for the reader; no smalltalk, no quirks, no pets. I told myself the only way I could do it is if I held onto what Buck seemed to like, the very fact that he was a compendium of what your lead character should not be. I must never soften him, never make him user-friendly, and I’ve tried to hold to that."


Drei Regeln gibt es in Parkers-Welt zu befolgen


Never have sex when working a caper. (Before and after is a different story.) During a takeover job, learn and use the first names of the people you're holding at gunpoint. It boosts their ego and makes them easier to deal with.When a caper goes sour and a partner gets in trouble, it's their tough luck. The professional crook sticks his neck out for no one.


Auch die acht entstandenen Filme machen da keine Ausnahme: 

Made in U.S.A. 1966
Der französische Nouvelle Vague Star Jean-Luc Godard verwandelte Parker in eine Frau. Anna Karina (in ihrer letzten Zusammenarbeit mit Godard) macht dabei eine gute Figur als Paula Nelson, eine linke Schriftstellerin mit weitreichenden Problemen. 



Basierend auf den Stark-Roman "The Juggler" blieb der Streifen in dem Titel gebendem Land jedoch recht unbekannt. Bis die DVD bei Criterion veröffentlicht wurde.  


Trailer: 

Point Blank 1967 
Der ultra stylische John Boorman Thriller basiert auf den Parker-Roman "The Hunter" und schickt Lee Marvin in Parkers Schuhen auf die Jagd nach seinem untergrabenen Anteil der Beute eines Auftrags. 


Kritiker Roger Ebert hatte zwar einige Bedenken bei dem doch recht simplen Plot (Lee Marvin will seine Kohle wieder haben und bringt auf dem Weg dahin ein paar Typen um), allerdings musste auch Feuilleton-Greis zugeben "...and as suspense thrillers go, "Point Blank" is pretty good". 

Echte Männer eben... 
"There are two kinds of people in his uptide world, his victims and his women. And sometimes you can't tell them apart"


Mise á Sac 1967 
Eine kleine Minenstadt wird Zeuge eines großen Angriffes. Die Vorlage "The Score" verfilmte Regisseur Alain Cavalier in Frankreich mit Philippe Moreau. 


Bis auf das doch recht verheißungsvolle Poster, gibt es leider nicht viel über den Film zu entdecken. 


Einige wenige Infos kann man hier nach lesen: 

http://violentworldofparker.com/?page_id=2439

Weder eine DVD-Veröffentlichung, noch eine Videofassung konnten bis dato ausfindig gemacht werden. 





The Split 1968 




Basierend auf den Roman "The Seventh" gibt es hier eine bahnbrechende Erneuerung. Parker ist Schwarz (Jim Brown spielt Parker, der hier McClain heißt). Im Amerika der sechziger Jahre war es noch immer eine Seltenheit Schwarze Schauspieler als Hauptdarsteller zu besetzen, vor allem bei Nebendarstellern wie Donald Sutherland, Gene Hackman oder Ernest Borgninge. Über weitere ambitionierte Rassenthematiken die der Film anspricht wusste damals auch die New York Times zu berichten. 

"But in its last half hour the picture makes a sudden and extremely ambitious leap outside its genre: a white neighbor, originally almost irrelevant to the story, tries to rape Miss Carroll and existentially spoils the crime. It is hard to adjust one's mood from pleasant, color-transposed genre thriller to something racially serious, yet the movie is tactful about it"

Neben einem groovigen Quincy Jones Soundtrack 



Gibt es hier auch den original Trailer zu sehen - inklusive Jim Brown Drop-Kick-Action: 



The Outfit 1973 
Basierend auf den Roman "The Outfit" ist es hier Robert Duvall der sich Parkers böse Mine überstreift und nach einem bitteren Knastaufenthalt nach Rache sinnt. Regisseur John Flynn gelingt damit ein detailverliebter Thriller, der es zu Gunst und Lobpreisungen bei Kritiker Roger Ebert brachte. 




Slayground 1983
Regisseur Terry Bedford inszenierte Schauspieler Peter Coyote als Parker alias Stone in dem gleichnamigen Thriller zur Buchvorlage. Allerdings nahm sich die Regie hier viele Freiheiten und kreierte eher einen eigenständigen Actionfilm als eine reine Adaption der Novelle. Eine Enttäuschung für die Fans. 

"Stone is definitely not Parker. He complains a lot and he’s overemotional for someone in his line of work. This is frustrating" 

Trailer: 

Payback 1999
Die wohl bekannteste Verfilmung des Parker-Stoffes mit Mel Gibson in der Hauptrolle als Porter war Ende der Neunziger Jahre mit 161 Millionen US-Dollar Einspielergebnis keinesfalls ein kommerzieller Flop. Regisseur Brian Helgeland musste sich nur endlosen Schnitten, Re-Cuts etc. unterziehen, bis er sieben Jahre später im "Straight Up"-Cut seine düstere, wortkargere Version zeigen durfte. Alle Fassungs-Unterschiede und die komplette Story dazu gibt es auf schnittberichte.com zu bewundern.



 Lucy Liu über ihre Rolle: 


Trailer: 

Weiterführende Informationen gibt es auf: 


Trailer: Parker 2013 ... 


50%
Text: Markus Breuer 
Fotos: Constantin Film 

Montag, 3. Dezember 2012

Interview: Liam Neeson zu "Taken 2"



Interview: Liam Neeson zu „96 Hours – Taken 2“

Wir befinden uns mitten in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Hollywood-Regie-Liebling Steven Spielberg hat mit seinem Holocaust-Mammut-Filmprojekt “Schindler’s Liste” gerade haufenweise Oscarnominierungen eingeheimst. Darunter auch für Oskar-Schindler-Darsteller Liam Neeson. Die Welt schaut auf den irischen 193cm Hünen. Plötzlich klingelt das Telefon mit einem Angebot, dass seine Karriere komplett ändern könnte. In einem Film namens “Goldeneye” soll er die Hauptrolle übernehmen. Richtig! Ein Ire als Macho-Geheimagent James Bond. Doch er lehnt vehement ab. Begründung? Neeson sieht sich einfach nicht in einem Actionfilm und war auch nie daran interessiert bei solchen Filmchen mit zu machen.


Seit dem kämpfte er als schottischer Highlander in “Rob Roy”, überzeugte als irischer Revolutionsführer “Michael Collins”, schwang sein Jedi-Schwert um Obi-Wan Kenobi und Darth Vader in “Star Wars” zu trainieren, bildete Batman in den düsteren Neuverfilmungen in allen wichtigen Kampfsportrichtungen aus, lieh dem mysthischen Löwen Aslan in den “Narnia”-Filmen seine Stimme und verkörperte Zeus persönlich, was ihn mindestens in zwei Religionen zu einem Gott macht. Er war der Kopf des Kino “A-Teams”, ein begnadeter Wolfskiller in “The Grey” und trotzdem kamen fiese Menschenhändler in “96 Hours” auf die Idee seine Tochter zu entführen. Als pensionierter CIA-Agent Bryan Mills, der sogar den Eiffelturm abreissen würde, um sein gekidnapptes Kind wieder zu bekommen, ballerte sich Neeson 2008 in die Herzen der Actionfans. Nur den Oscar - den hat er noch immer nicht bekommen. Egal - denn jetzt startet die Fortsetzung “96 Hours - Taken 2” in den Kinos und der neueste Actionheld am Hollywood-Himmel sitzt uns im 5-Sterne Hotel gegenüber.

Seine Haut ist braungebrannt, als würde er gerade aus dem Urlaub zurück kommen, er trägt einen schwarzen Anzug, dazu ein dunkelblaues Hemd, Haifischkragen, die ersten paar Knöpfe sind offen. “Wo soll ich mich hinsetzen?” brummt seine beruhigende Stimme bei schummrigen Kronleuchter Licht in das Luxus-Hotel-Zimmer am Berliner Gendarmenmarkt. Da die Nachfrage natürlich groß ist und der Hollywoodstar-Kalender gefüllt, teilt man sich die 20 Neeson-Minuten gerne mit 5 anderen Kollegen, die mit am Runden Tisch vor dem Hauptdarsteller sitzen. Alles ist mit dabei. Die junge, hippelige Blondine, die eigentlich nur ihr Facebook-Foto beansprucht und dieses lästige Interview-Geschwafel am liebsten so schnell wie möglich hinter sich bringen will. Der schüchterne Fan, der auch mal leicht ins Stottern kommt, die abgeklärte Boulevard-Jounalistin, sie alle haben ihre Fragen und kämpfen um jede Sekunde Aufmerksamkeit. “Ob er ein Wasser will?” fragt eine besorgte PR-Dame. Natürlich nicht. “Ihm geht’s gut” antwortet er, während er mit einem Zahnstocher in seinem Mund herumpuhlt und sich gelassen der Fragerunde stellt.

Wie fühlt es sich an, wieder in die gleiche Rolle zu schlüpfen?

Es ist so, als würde man einen sehr komfortablen Anzug anziehen.

Als sie das erste Mal, diesen Anzug trugen, passte er nicht wirklich ins Liam Neeson Ouevre. Sind solche Actionfilme nicht eine große Herausforderung für sie?

Ja. Klar. Besonders vom körperlichen Aspekt her. Aber es ist
einfach ein großer Spaß.

Wie haben sie sich auf die Action vorbereitet?

Ach. Na ja. Ein wenig mit der Waffe trainiert. Und ich war 7 Tage die Woche im Fitnessstudio. Eine Actionszene ist wie ein Tanz. So was macht mir - wie gesagt - einfach Spaß.

Und das mit seinen sechzig Jahren. Na gut, bevor er Physik, Mathe und Theaterwissenschaften studierte um Lehrer zu werden und später Brummifahrer war, erkämpfte sich Neeson in jungen Jahren den nordirischen Meistertitel im Boxen. Anscheinend hat der Mann nie mit dem Fitnesstraining aufgehört. Er ist auch die Ruhe in Person, als er die ersten Fragen in seiner ausgeglichenen Stimmlage beantwortet. Sogar unser Fan wird von seiner Aura beruhigt, stottert nicht mehr und bohrt drauf los.

Wie lange habt ihr an der finalen Action-Szene im Hamam in Istanbul gedreht?

Lass mich überlegen. Wir durften nur 2 Tage mit dem Team dort sein. Und die haben die Heizung schon zwei Tage vorher abgestellt…

Jetzt kommt er ein wenig ins Schwärmen.

…Trotzdem war es noch immer verdammt heiß! Das Ding wurde vor 500 Jahren als Hamam gebaut. Es ist 500 Jahre alt und noch immer ein Hamam.

Ein verständnisvolles Nicken von unserer Seite. Für eine Sekunde passiert nichts im Raum.

Sehen sie sich als Actionheld?

Och nein. Ich habe 56 Filme gedreht.

Man schaut ihm in die müden Augen. Er schiebt seinen Zahnstocher gelassen im Mundwinkel hin und her, gönnt sich immer wieder Atempausen um dann etwas wortkarg zu antworten. Mit seiner Gelassenheit und der entspannenden Stimmlage fühlt man sich, als würde ein vertrautes Familienmitglied seine Anekdoten seelenruhig am Lagerfeuer sitzend besprechen. Die Stimmung - so wohlig es sich anhört - scheint jedoch auf einem Tiefpunkt angekommen zu sein. Wenn es so weitergeht, schläfert er uns vielleicht noch ein. Vielleicht schläft er sogar noch selbst ein.

Falls ihre Action-Karriere so weiter läuft. Sehen sie sich vielleicht demnächst sogar bei den „Expendables“ im Team?

Endlich ein erlösendes Lachen in der Runde.

Ich glaube nicht. Da ist einfach kein Platz mehr für mich drinnen. Das sind doch jetzt schon viel zu viele.

Würden sie immer noch das James-Bond-Angebot ablehnen?

Ich bin jetzt zu alt für James Bond und die haben im Moment einen super Darsteller dafür.

Das Lachen verstummt. Es wird wieder ruhiger im Raum. Ok, genug mit den soften Fragen. Versuchen wir mal etwas über sein Familienleben heraus zu finden.

Wie sie vorhin erzählten, haben sie in über 56 Filmen mitgespielt. Zwanzig davon in den letzten Jahren. Das ist ein immenser Output, wann haben sie mal frei? Wann Zeit für ihre Familie?

Zwischen den Filmen gibt es immer ein paar Monate Zeit. Ich meine an “Battleship” habe ich nur für 4 Tage gearbeitet. “Batman - The Dark Knight Rises” waren vielleicht 2 Stunden.

Waren sie mit dem Ende der “Batman”-Filme zufrieden. Wie fanden sie den Schluss?

Weisst du. Ich habe ihn nicht gesehen. Man hat mir erzählt, ich bin im Film.

Schauen sie ihre eigenen Filme nicht?

Doch schon. Aber “Batman - The Dark Knight Rises” soll wohl dreieinhalb Stunden gehen. Komm schon. Ich meine, dass ist es, was ich an den “Taken”-Filmen so mag. Die gehen nur 90 Minuten.

Er schnippst mit seinen Fingern.

Sie sind verdammt kompakt!

Die Gewalt stört sie nicht?

Ach. Ich bin Immun gegen solche Sachen. Das ist - leider - in unserer Kultur verankert. Und es ist auch nur Filmgewalt.

Dürfen ihre Söhne diese Filme schauen?

Ja, klar. Die finden das super.

Wie alt sind sie?

16 und 17 Jahre alt.

Was denken sie über ihren Action-Papa? Nehmen die beiden sie ernst?

Nicht ernst genug. Die sind jetzt aber in dem Alter, wo ich schon wissen will, was sie von meiner Arbeit halten. Natürlich auch in Bezug auf die “Taken”-Filme.

Und?

Sie sagen immer “Dad - das war okay!”. Das ist dann auch alles was man bekommt.

Ziehen sie die Arbeit an Liebesfilmen oder Actionfilmen vor?

Ich liebe es, beide Genres zu kombinieren.

Also Liebesszenen in Actionfilmen?

Da ist sie wieder, die berühmte Atempause. Doch plötzlich lächelt er und schwatzt drauf los.

Du meinst, ob ich auf Liebesszenen stehe? Es ist cool, aber auch immer ein wenig peinlich.

Weil so viele andere Leute dabei am Set mit rumstehen?

Ja, es ist irgendwie unbehaglich. Nächste Woche drehe ich einen Film mit Olivia Wilde und wir haben zwei oder drei Szenen in denen wir Liebe machen. Der Regisseur kam zu mir und meinte. “Nur damit du bescheid weisst, Olivia wird nackt sein”. Sie rennt einen Flur entlang, du wirst sie in der Szene von hinten anhimmeln. Ich schaute ihn an und sagte nur “super, das ist ausgezeichnet”.

Der ganze Raum lacht. Wenn es um Frauen geht, scheint er wieder ganz da zu sein. Die Stimmung ist auf ihrem Hochpunkt.

“Werden sie auch nackt sein?” ruft unsere Blondine ungeniert von der Seite in die Menge. Neeson grinst.

“Wir brauchen dich auch nackt”, erklärte mir der Regisseur. “Dude - mein verfickter irischer Arsch wird niemanden antörnen. Besonders nicht auf 35mm Kamera!” erwiderte ich und die Sache war gegessen.


Haben sie jemals daran gedacht nach Irland zurück zu ziehen?

Öhm. Ich weiss nicht.

Haben ihre Söhne eine Verbindung zu ihrem irischem Background?

Oh ja. Sogar richtig.

Sie haben mal gesagt, dass sie erleichtert sind, zwei Söhne zu groß zu ziehen, weil sie Angst hätten, Töchter zu haben. Stimmt das?

Ja. Bei Töchtern ist man einfach zu ängstlich und will sie zu sehr vor allem schützen.

Also wären sie schon wie ihr Film-Charakter in “Taken”?

Ja, nur ohne die ganze Gewalt. Mit Jungs ist einfach alles viel einfacher.

Das muss er wirklich wissen. Neeson ist nämlich in einem reinen Frauenhaushalt mit drei Schwestern aufgewachsen. Aufgelockert traut sich die Fragerunde nun auch ein paar ernstere Dinge an zu sprechen.

In den “Taken”-Filmen geht es unter anderem um zweite Chancen. Im ersten Teil, hofft Papa Bryan auf eine neue Chance sich seiner Tochter zu nähern. Im zweiten, will er seiner Ex-Frau wieder näher kommen. Glauben sie an zweite Chancen?

Wenn wir sie haben können…

Jetzt wird es wieder ruhiger im Raum. Er denkt nach. Auch gern ein wenig länger. Schaut in die Luft, spielt wieder an seinem Zahnstocher herum. Natürlich weiss er worauf wir hinaus wollen. Wer seine Shakespeare-Gesamtausgabe als eine von drei überlebenswichtigen Dingen nicht missen will, der weiss wie Drama funktioniert. Und sicher auch wie man ihm ausweicht.

Er stottert ein wenig. Blinzelt mit den Augen.

Ja. Ich glaube schon daran.

15 Jahre war Neeson mit der Schauspielkollegin Natasha Richardson verheiratet. Die Mutter seiner Söhne Michael (17) und Daniel (16) starb 2009 mit 45 Jahren nach einem Skiunfall an einer Gehirnblutung. Laut Neeson hat er den Tod nur überlebt, indem er davonlief und sich Hals über Kopf in Arbeit stürzte. Die gute Nachricht ist, 2010 verliebte er sich wieder in die 22-Jahre jüngere Freya St. Johnson. Mittlerweile hat er sich wieder gefangen.

Was meinen sie damit?

Im Theater zum Beispiel kann man acht Mal die Woche eine zweite Chance haben. Du verkackst etwas am Dienstag und am Mittwoch ist wieder alles bestens.

Und im echten Leben?
Nein, ich glaube dort nicht.

Gibt es trotzdem eine Situation, wo sie gerne eine dieser zweiten Chancen im echten Leben genutzt hätten?

Er murmelt die Frage noch mal leise vor sich hin.

Zweite Chance…

Er denkt nach.

Mir fällt nichts ein.

Also sind sie gerade fröhlich im Leben?

Zufrieden! Ich glaube nicht an Fröhlichkeit, ich glaube an Zufriedenheit.

Kein Glaube an Glück?

Nein, es kommt und geht. Es sind immer nur Momente.

Das war jetzt alles ein wenig erdrückend. Am besten wir kommen direkt wieder auf den Film zu sprechen um den es hier ja gehen soll.

Gab es gravierende Unterschiede zwischen dem Dreh vom ersten oder zweiten „Taken“-Teil?

Es geht. Die Franzosen arbeiten sehr schnell. Das mag ich.

Gucken sie denn selbst solche Filme?

Das ist eine gute Frage. Ich habe letztens “The Skin I Live In” gesehen. Dieser Almodovar-Film. Er war sehr gut.

Sie sind seit 2009 Amerikaner. Wie stehen sie zu den Wahlen?

Dazu will ich nichts sagen.

Wird es einen dritten “Taken” Teil geben?

Ich glaube nicht. Aber ich würde gern mal wieder in Berlin drehen. Ich meine Babelsberg sind die ältesten Filmstudios der Welt. Ansonsten vielleicht in Hongkong.

Eine der Pressefrauen stürmt in den Raum.„Letzte Frage!“ ruft sie in die Runde.
Interessieren sie sich für Einspielergebnisse, Zahlen und so was?

Ja schon. Also früher nicht so, aber jetzt, wenn mein Name so groß im Titel steht, da finde ich es schon sehr interessant. Ich bin nicht besessen davon, aber es ist schon wichtig.

Und dann ist auch alles schon wieder vorbei. Für ein paar Minuten war man Teil im Leben eines Hollywoodstars. Unsere Lieblings-Journalisten-Blondine bekommt ihr Foto, Liam Neeson bleibt brav am runden Tisch sitzen, wir werden gemeinsam aus dem Raum geleitet und vor der Tür wartet schon die nächste Reporter-Meute bewaffnet mit ihren Diktiergeräten in den Händen.

Text: Markus Breuer 

Siehe auch: "96 Hours - Taken 2"-Filmkritik...

Gesichtet: Taken 2



96 Hours – Taken 2

Regie: Olivier Megaton

Darsteller: Liam Neeson, Famke Jannsen


Homepage: http://www.96hours-taken2.de/

Rottentomatoes: 21%
Boxoffice:
http://boxofficemojo.com/movies/?id=taken2.htm





Was verursacht - statistisch gesehen - die höchste Sterberate bei 25 - 32 jährigen, im Menschenschieber-Business aktiven, Albanern? Natürlich! Liam Neeson. Der Charakterdarsteller ballert sich in “96 Hours - Taken 2” erneut durch die osteuropäische Menschenhandel-Szene. Diesmal schnappen sich die Bösewichte nicht seine Tochter, sondern entführen seine Frau und Neeson alias Ex-CIA-Agent Bryan Mills höchstpersönlich.




Vor vier Jahren hätte Mills in Paris noch den Eiffelturm umgerissen, um Töchterchen Kim aus den Fängen der Fieslinge zu befreien und scheute nicht davor zurück, extreme Gewalt, Folter & alte CIA-Kontakte zu nutzen um an sein Ziel zu kommen. Dabei starben eine Prostituierte, Kims beste Freundin und haufenweise albanische Gangster. Zumindest um einen davon, wird nun in der Eröffnungs-Beerdigungs-Sequenz getrauert. Familienoberhaupt Murad schwört Rache und will - koste es was es wolle - Mills zur Strecke bringen. 


Premiere am Times Square
Der ist gerade auf Bodyguard-Mission in Istanbul unterwegs und befindet sich dann auch ziemlich schnell samt Frau in den klauen des rachsüchtigen Vaters. Jetzt wird der Spieß umgedreht und Tochter Kim muss ihrem Daddy helfen, wieder frei zu kommen.




Mit “Taken”’s gigantischen Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar weltweit hatte 2008 niemand gerechnet. Da fällt es jedem Produzenten natürlich schwer nicht direkt für Nachschub zu sorgen, auch wenn es keinen offensichtlichen inhaltlichen Grund gibt, weiterzumachen. Man nehme die bewehrten Zutaten aus dem ersten Teil und verlagere die Story in eine andere Stadt, fertig ist der neue Film. Ein riesiger Pluspunkt ist aber, dass Liam Neeson - dessen Rolle in “Taken” schon längst Kultstatus genießt - wieder mit an Bord ist. Nach dem großen Erfolg des Originals entwickelte sich der 60-Jährige mit Filmen wie “A-Team”, “Unknown” oder “The Grey” zu einem gern gesehenen, abgeklärten Action-Opi.




Auch in “96 Hours - Taken 2” füllt sich wieder ein Leichensack nach dem anderen. Istanbul ist dabei eine gern gesehene Kulisse, obwohl mit brachialer Härte der Gemüsemarkt, die amerikanische Botschaft oder ein Hammam zerstört wird, kommt immer wieder Urlaubs-Flair auf. Da stört es auch kaum, dass sich in der Stadt niemand dafür interessiert, wenn Töchterchen Kim mal die eine oder andere Handgranate, als Signal für Papi auf den Häuserdächern in die Luft gehen lässt. 



Auch dass das Wort “nachladen” nicht in Bryan Mills’ Wortschatz vorkommt und wohl eher für Pussys wie “James Bond” oder “Jason Bourne” erfunden wurde, ist schnell verkraftet. Wieso die Bösewichte ihren Erzfeind - nachdem er locker über 30 von ihren Freunden gekillt hat - dann nur mit einem Bändchen Kabelbinder an einen Stuhl fesseln und sich sicher fühlen, dass wird wohl jedoch für immer ein Rätsel bleiben.

Obwohl “96 Hours - Taken 2” immer mal wieder an eine Steven-Seagal-Videopremiere aus den Neunziger Jahren erinnert, macht es trotzdem einen Heidenspaß Neeson mit grimmiger Miene als Ein-Mann-Bulldozer durch die Türkei wüten zu sehen. Zwar ein wenig mit angezogener Handbremse und ohne die kleinen, fiesen Genre-Grenzüberschreitungen des Originals, dafür aber mit einem weitaus höherem Budget und schicker Hochglanz-Optik.

Trailer: 



Liam Neeson im Interview: 




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Text: Markus Breuer